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7. Mai 2016 Thema:

Hydrogel

Verbandsstoffkunde: Hydrogel

Hydrogele stehen in Tubenform, als Applikationsspritze oder als Blister zur Verfügung. Daneben gibt es Vlies- und Gelkompressen, welche mit Hydrogel bedeckt sind.

Hydrogele in Gelform

Hierbei handelt es sich um amorphe (formlose) Gele, die über einen hohen Wasseranteil verfügen (60 – 95% je nach Hersteller), der Rest besteht aus Gelbildnern, teilweise versetzt mit zusätzlichen Fasern wie Alginat oder Carboxymethylcellulose. Diese sind in Wasser nicht löslich und haben eine Wirkdauer von bis zu drei Tagen.

Der Einsatz von Hydrogelen in Gelform mit feuchtigkeitserhaltenden Verbänden bewirkt das Aufweichen von Nekrosen und Belägen im autolytischen Débridement. Neben dieser autolytischen Wirkung können die amorphen Gele auch zur Feuchthaltung bzw. Rehydrierung trockener Wunden oder austrocknungsgefährdeter freiliegenden Strukturen, z.B. von Sehnen- oder Knochengewebe, zum Einsatz kommen. Nekrosen und Beläge verlieren durch Rehydration ihre innere Festigkeit und lösen sich vom Wundgrund.

Hinweise zur Verwendung

  • abhängig von der Konsistenz des Belages wird das Gel zwischen 0,3 – 0,5cm aufgetragen
  • auch an schwierigen Körperstellen, z.B. Fersenregion, einfache Applikation auf Grund der Formstabilität (gilt nur für unkonservierte Gele!)
  • Sekundärabdeckung notwendig: Gel darf nicht austrocknen, die Wundränder und die Umgebungshaut darf nicht mazerieren.
  • Transparentfolie (bei nicht infizierten Wunden!): Bei eher festen Belägen und wenig Exsudat
  • feinporige Schaumverbände: Bei Aufweichen der Beläge und vermehrter Exsudation. Cave! Der Schaumverband nimmt auch einen Teil des Gels mit auf, daher ist von einem gleichzeitigen Einsatz stark exsudataufnehmender Verbände abzusehen.

Produktbeispiele

  • Askina® Gel von B. Braun
  • Cutimed® Gel von BSN medical
  • Hydrosorb® Gel von Paul Hartmann
  • Intrasite® Gel von Smith & Nephew
  • Nu-Gel® von Systagenix – mit Alginatanteil
  • Purilon® Gel von Coloplast – mit Alginatanteil
  • Suprasorb® G von Lohmann & Rauscher
  • UrgoHydrogel von URGO

Wirkstoffhaltige / konservierte Hydrogele

Analog zu wirkstoffhaltigen / konservierten Wundspüllösungen werden diese nun auch zunehmend als Hydrogele angeboten. Diese Produkte sind im Vergleich zu den herkömmlichen Gelen eher flüssig, was bei der Anwendung entsprechend zu beachten ist.

Produktbeispiele:

  • Repithel® mit 3% PVP-Iod
  • Mit PHMB (Polihexanid): Prontosan® – Gel, Lavanid® – Gel, ROGG Hydrogel, Draco Wundgel PHMB
  • Octenilin® Gel mit Octenidin

Hydrogelkompressen

Semiokklusive Wundauflagen aus Hydrogel (bestehen zu 15 – 95% aus Wasser, je nach Hersteller) nehmen fast kein Exsudat auf und finden ihren Einsatz daher bei kaum exsudierenden, oberflächliche und granulierenden Wunden um diese feucht zu halten. Die Fertigverbände stehen überwiegend mit einer abdeckenden PU – Folie zur Verfügung. Eine Wundbeurteilung durch den Verband ist je nach Exsudataufkommen vorübergehend möglich.

Die Hydrogelkompressen lösen sich nicht auf. Geringe Mengen Exsudat werden in den Verband eingelagert und längere Verbandswechselintervall sind möglich. Hydrogelkompressen ohne Klebebeschichtung sind gut bei Pergamenthaut einsetzbar. Durch den kühlenden Effekt haben diese eine schmerzlindernde Wirkung.

Cave! Kein Einsatz dieser Verbände bei infektiösen Wunden.

Produktbeispiele

  • Hydrosorb® / Hydrosorb® comfort mit Klebefolie von Paul Hartmann
  • Intrasite Conformable von Smith & Nephew
  • KerraLite Cool / Border von Crawford
  • Suprasorb G Gelkompresse von Lohmann & Rauscher

 

Quellen:

-Kompendium Wundbehandlung von Bernd v. Hallern
-100 neue Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Anke Bültemann
-Moderne Wundversorgung, 7. Auflage von Kerstin Protz
-100 Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Bernd Assenheimer

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