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29. September 2015 Thema:

Debridement

Als Debridement (auch „Wundtoilette“) wird das medizinische Vorgehen zur Entfernung von infizierten, geschädigten oder avitalen Gewebe (Nekrose) aus chronischen Wunden bezeichnet. Das Ziel eines Debridements ist es, eine adäquate Wundbeobachtung zu gewährleisten, eine sekundäre Infektion des verbliebenen vitalem Gewebes zu verhindern und die Wundheilung zu initiieren.

Die Voraussetzung eines Debridement und die angestrebte Wundheilung, ist eine adäquate Durchblutung des Gewebes. Daher ist es möglich, dass man sich in einigen Fällen gegen ein Debridement entscheidet, wenn die Gefahr besteht, dass dadurch die Wunde sich vergrößert, ohne das eine Heilung in Aussicht steht.

Formen des Debridements

  • Mechanisches Debridement
  • Chirurgisches Debridement
  • Enzymatisches Debridement
  • Biochirurgisches Debridement
  • Autolytisches Debridement
  • Ultraschall Debridement

Mechanisches Debridement

Das mechanische Debridement wird bei der Wundreingigung mit einer Wundspüllösung / Antiseptika durchgeführt. Durch das Auswischen der Wunde mit einer sterilen Kompresse werden Zelltrümmer, oberflächige Beläge und Abfallstoffe aus der Wunde entfernt. Dies kann jedoch mit Schmerzen beim Patienten verbunden sein durch die Reibung, Druck und einhergehenden Oberflächenreizung der Wunde. Dadurch kann es ebenfalls zur Traumatisierung von frischen Gewebe, wie Granulation und Epithelisierung, führen. Eine schonendere und schmerzfreiere Alternative ist das wiederholte Auflegen von angefeuchteten und sterilen Kompressen mit leichtem Andruck auf die Wunde. Dies wird solange wiederholt, bis beim Abnehmen der Kompresse keine Rückstände (Beläge) mehr haften bleiben.

Chirurgisches Debridement

Das chirurgische Debridement ist die schnellste und effektivste Art der Wundreinigung, jedoch auch ein radikales Verfahren, invasiv und nicht gewebeschonend! Alle anderen Debridementmethoden greifen im Gegensatz hierzu lediglich oberflächig. Die Nekrose und vorhandene Beläge werden mittels einer sterilen Pinzette und eines sterilen Skalpells von einem Arzt abgetragen. Eine Infektion birgt das Risiko, dass sich eine Osteitis (Knochenentzündung) entwickelt. Daher ist manchmal sogar eine Knochenresektion Bestandteil des chirurgischen Debridements. Je nach Ausmaß und Dicke der Nekrose / des Belages ist eine Vollnarkose oder eine Lokalanästhesie z.B. mit EMLA ® Creme, erforderlich. Das chirurgische Debridement obliegt dem Arzt kann unter Umständen von diesem delegiert werden in Kliniken oder Wundambulanzen (wo ein Arzt diese Tätigkeit beaufsichtigen kann und bei Komplikationen eingreifen kann z.B. Blutungen bei Gefäßverletzungen).

Enzymatisches Debridement

Hierbei werden biosynthetisch (organische Substanzen werden in lebenden Organismen gezüchtet) hergestellte proteolytische Enzyme zum Abbau von avitalem Gewebe genutzt, um den Wundheilungsprozess durch Aktivierung körpereigener Reaktionen zu fördern. Enzympräparate sind z.B. Iruxol ® N, Varidase ® N, Fibrulan ® und sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. In Interaktion mit Proteinen (Bestandteil von Exsudat) verflüssigen sie Gewebetrümmer und weiches nekrotisches Material. Enzyme wirken nicht in einer trockenen Umgebung und sind daher bei harten, trockenen Nekrosen nicht einsetzbar. Manche Enzyme wirken nur bei bestimmten Proteintypen. Das enzymatische Debridement sollte nur angewendet werden, bis die Wunde frei von Gewebetrümmern ist. Als Nebenwirkungen können Schmerzen, Brennen und Hautreizungen bis hin zu Wundheilungsstörungen oder Allergien auftreten. Das enzymatische Debridement kommt auf Grund des erhöhten Pflegezeitaufwandes (der Verband muss einmal täglich, zu meist exakt alle 24 Stunden, gewechselt werden) und der erhöhten Kostenaufwandes (Materialkosten) seltener zur Anwendung.

Biochirurgisches Debridement (Madentherapie)

Unter Verwendung von in einer sterilen Umgebung herangezogenen Fliegenlarven (Larven der Fliege Lucilia sericate, auch „gefräßige Lucy“ genannt), die entweder frei auf der Wunde oder eingeschlossen in einem speziellen Beutel die Nekrosen und Beläge andauen und den so entstehenden Nahrungsbrei aufnehmen. Die „gefräßige Lucy“ beeinflusst den Wundzustand in dreifacher Hinsicht positiv: Reinigung der Wunde, Keimvernichtung und Stimulation der Abheilung. Die Maden sondern Verdauungssekret (Speichel) auf die Nekrosen und Beläge ab, was zu einer Verflüssigung führt. Dadurch wird nur avitales Gewebe aufgelöst und das vitale Gewebe geschont. Somit können vor allem hartnäckige Nekrosen abgetragen werden. Nebenwirkungen der Madentherapie können Kribbeln, Juckreiz oder Schmerzen sein. Es sollte keine Madentherapie erfolgen bei Wunden, die leicht zu Blutungen neigen, sich in der Nähe von größeren Gefäßen befinden, die Verbindung zu Körperhöhlen und / oder inneren Organen haben und / oder unzureichend durchblutet sind. Ebenfalls unter Anwendung einer Kompression, da Larven keinen Druck vertragen. Die Maden gibt es nicht nur als „Freiläufer“, sondern auch in einem Nylonbeutel eingeschlossen („Biobag“).

Autolytisches Debridement

Diese Form des Debridements ist das schonendste Verfahren und besonders selektiv, dafür ist die Therapiedauer jedoch länger. Der Körper wird in seiner eigenen Fähigkeit zur Wundreinigung und Wundheilung unterstützt mittels einer feuchten Wundbehandlung. Dies geschieht in Form von:

  • Hydrogele in Gelform: Das Hydrogel mit feuchtkeitserhaltenden Verbänden bewirkt das Aufweichen von Nekrosen und Belägen. Zusätzlich kann das Hydrogel auch zur Feuchthaltung bzw. Rehydration trockener Wunden zum Einsatz kommen. Die vorhandenen Nekrosen und Beläge verlieren durch die Rehydration ihre innere Festigkeit und lösen sich vom Wundgrund ab.
  • Hydroaktive Wundauflage zur Nasstherapie: Die mehrschichtige, kissenförmige Wundauflage besteht aus einem Saugkissen mit superabsorbierendem Polyacrylat, welches gebrauchsfertig mit Ringerlösung aktiviert ist oder werden muss. In der Wunde sorgt diese Wundauflage für eine kontinuierliche Abgabe von Ringerlösung (auch unter einer Kompressionstherapie). Zudem werden Toxine, Zelltrümmer und Keime mit aufgenommen und beim Verbandswechsel aus der Wunde entfernt. Durch den permanenten Saug-Spül-Prozess werden Nekrosen und Beläge verflüssigt. Ein Verbandswechsel muss jedoch, je nach Wundauflage bzw. Hersteller, alle 12 bis 24 Stunden gewechselt werden. Außerdem ist eine Sekundärabdeckung erforderlich.
  • Hydrokolloidverbände: Diese sind  jedoch nur bedingt anwendbar im autolytischen Debridement. Denn sie wirken nur bei einer sehr geringen Nekrose- / Fibrinbelagdicke. Des weiteren dürfen sie bei infizierten Wunden nicht angewendet werden, auf Grund des erzeugten feucht-warmen Milieu das Bakterienwachstum extrem begünstigt!

Ultraschall Debridement

Dies ist ein nicht-invasives Verfahren. Hierbei wird ein niederfrequenter Leistungsultraschall in Kombination mit einer Spüllösung (vorzugsweise Ringer- und NaCl 0,9% – Lösung) angewendet. Die ultraschallassistierte Wundreinigung führt zu einer schonenden Entfernung von Nekrosen und Fibrinbelägen, ohne gesundes Granulationsgewebe anzugreifen und zerstört zudem den wundheilungsbehindernden Biofilm. Außerdem fördert das Verfahren die Granulation, regt die Proliferation der Fibroblasten an und stimuliert die Kollagensynthese. Das Ultraschall Debridement empfinden die Patienten jedoch oftmals als schmerzhaft, daher ist es empfehlenswert die Wunde vorher lokal zu anästhesieren bsp. mit EMLA ® – Creme.

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Autor dieses Beitrags: Lisa Spreitzer

Lisa Spreitzer - Autorin auf Wundwissen.info. Altenpflegerin, Praxisanleiterin, Wundexpertin nach ICW und Pain Nurse. Tätig im Wundaußendienst bei der Firma Ellipsa medical services GmbH.

Website des Autors: https://www.wundwissen.info

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