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10. Januar 2016 Thema:

Wundinfektion

Grundwissen: Die Wundinfektion

Die Wundinfektion ist die folgenschwerste Störung der Wundheilung, unbehandelt kann die lokale Infektion zu einer systemischen Infektion (bis hin zur Sepsis) führen. Bei einer infizierten Wunde liegt in den meisten Fällen ein bakterielles Wachstum vor, Erreger können jedoch auch Pilze und Viren sein. Die Keimbesiedlung ist auf den Wirt übergangen und führt dort zu einer immunologischen Reaktion. Eine Wundheilung ist erst nach Beseitigung der Infektion möglich!

Wie ist eine Wundinfektion zu erkennen?

Bereits der römische Arzt Aulus Cornelius Celsus (1. Jahrhundert n.Ch.) beschreibt lokale Anzeichen der Wundinfektion:

  • Rubor (Rötung)
  • Tumor (Schwellung)
  • Calor (Wärme)
  • Dolor (Schmerz)
  • functio laesa (Funktionseinschränkung)

Diese Anzeichen dienen immer noch als Hinweis für eine Infektion, sowie Odor (Geruch).

Allgemeine Symptome sind Fieber und Schüttelfrost, Leukozytose und Schwellung der regionären Lymphknoten.

Treten immer alle Infektionszeichen bei einer Wundinfektion auf?

Nein, denn je nach krankheitsbedingter Wundentstehung können diverse Infektionszeichen nicht auftreten.

  • Besonderheiten bei pAVK: Bei Betroffenen mit pAVK kann die Rötung (Rubor) und Überwärmung (Calor) fehlen oder nur sehr schwach ausgeprägt sein. Für die Entstehung einer Rötung und / oder Überwärmung ist eine gute Durchblutung notwendig, was bei den Betroffenen nicht gegeben ist. Des weiteren ist die Schwellung / Ödembildung (Tumor) häufig nur schwach ausgeprägt. Das wichtigste Infektionszeichen bei Betroffenen mit pAVK ist der Schmerz, der in der Regel stark zunimmt und / oder die Schmerzqualität sich verändert. Jedoch kann der Schmerz auch an der zunehmenden Ischämie im Gewebe der Grund sein.
  • Besonderheiten bei Diabetes mellitus: Auf Grund der Nervenschädigungen (Neuropathie) fehlt in der Regel der Schmerz (Dolor). Zudem bekommen Betroffene kein Fieber als systemisches Infektionszeichen, was an einer veränderten Immunsituation und -reaktion durch die Krankheit liegt. Wichtige Infektionszeichen neben der Rötung (Rubor) und Überwärmung (Calor) sind stark schwankende Blutzuckerspiegel und ein allgemeines Krankheitsgefühl.
  • Leukozytose: Nicht jeder Betroffene entwickelt bei einer Wundinfektion eine Leukozytose. Ein Grund hierfür kann eine Malnutrition im Bereich des Eiweißes sein. Auf Grund des Mangels kann keine ausreichende Anzahl von Leukozyten gebildet werden. Ebenfalls sind Tumorpatienten davon betroffen, welche wegen der Erkrankung bereits eine Leukopenie haben oder deren Leukozytenzahlen durch eine Chemotherapie stark erniedrigt ist.

Therapie einer Wundinfektion

Zuerst ist es von Notwendigkeit den Erreger für die Infektion festzustellen. Zur genaueren Bestimmung dient eine Probeexzision (PE) aus der Tiefe. Im Gegensatz zum Wundabstrich, der zusätzlich zu den Wundkeimen eventuell auftretende Oberflächenkeime einfängt, erbringt die PE ausschließlich den gesicherten Wundkeim. Eine PE wird ausschließlich von einem Arzt durchgeführt, einen Wundabstrich hingegen kann von einer Pflegefachkraft übernommen werden.

Wundabstrich

Abstriche sind immer aus der Wundtiefe zu entnehmen, damit sie nur den eigentlichen Wundkeim und nicht noch eine Vielzahl von Oberflächenkeimen aufnehmen. Um letzteres zu vermeiden, sollte vor dem Abstrich eine mechanische Wundreinigung mit angefeuchteten Kompressen (mit Ringer- oder physiologischer Kochsalzlösung) stattfinden. Durch das anfeuchten der Kompressen mit einem Antiseptika wird das Abstrichergebnis verfälscht, daher keine Antiseptika verwenden! Der Abstrich wird anhand des Essener Wundkreisel durchgeführt, dabei wird in Spiralform von außen nach innen über die gesamte Wundoberfläche der Abstrich geführt. Dabei wird der Abstrichträger gedreht, sodass von allen Seiten eine optimale Benetzung stattfinden kann.

Weitere Therapie nach dem Wundabstrich

Eine Antibiotikatherapie nach Ergebnis des Wundabstriches entscheidet der Hausarzt. Eine antimikrobielle Therapie mit speziellen Wundauflagen und geeigneten Wundspüllösungen ist von Notwendigkeit.

Quellen:

http://www.wikipedia.de
http://www.hartmann.de

Moderne Wundversorgung, 7. Auflage von Kerstin Protz
100 neue Fragen zur Wundbehandlung und 100 Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Anke Bültemann

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