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31. Juli 2016 Thema:

Silberhaltige Wundauflagen

Verbandsstoffkunde: Silberhaltige Wundauflagen

Schon seit der Antike ist die bakterizide Wirkung von Silber bekannt. Silber zählt zu den ältesten Edelmetallen und die Industrie entwickelt immer weitere Produkte um gegen (mögliche) Keime antibakteriell vorzugehen. Silberhaltige Präparate sind nicht nur in medizinischen Produkten (Wundauflagen) erhältlich, sondern auch in Kosmetika, Bekleidung, etc. Durch die bakteriziden, sowie antimikrobiellen Eigenschaften wird Silber bei infektionsgefährdeten, kritisch kolonisierten und infizierten Wunden eingesetzt.

Wirkung von Silber

Silber hat ein breites Wirkspektrum gegen grampositive und gramnegative Bakterien (darunter auch MRSA, VRE), sowie Pilze. Viele silberhaltige Auflagen geben elementares Silber an die Wunde ab oder setzen bei Kontakt mit Exsudat Silberionen frei. Diese lagern sich an die Zellwand der Bakterien an und dringen in die Mikroorganismen ein. Sie stören deren Zellfunktion und beeinträchtigen die Zellteilung durch Behinderung der DNA-Replikation. Einige Silber-Wundauflagen enthalten lediglich gebundenes Silber, die Wirkung tritt katalytisch beim Durchdringen der Keime ein.

Eigenschaften von Silber zur Keimeliminierung:

  • Beeinträchtigung der Festigkeit der Zellstruktur
  • Blockierung von Enzymen, sowie die Unterbindung von deren essentiellen Transportfunktion in der Zelle
  • Schädigung der Membranstruktur der Zellwand
  • Silberionen reagieren mit schwefelhaltigen Enzymen der Zellwand, was zu Störungen des transmembranösen Stoffwechsels führt
  • Silberionen werden wie essentielle Calciumionen von den Zellen aufgenommen, in denen sie sich an die DNA binden und somit die Reproduktion (Vermehrung) verhindern
  • Durch Silberionen wird die Adhärenz (Anheftung) der Mirkoorgansimen an Oberflächen verringert

Unterschiedliche silberhaltige Auflagen

Je nach Verbandsstoffart und der verwendeten Silbertechnologie wird unterschiedlich viel Silber an die Wunde abgegeben. Es gibt Auflagen, die viele Silberionen abgeben, andere wiederum sind so angelegt, dass die Keime mit dem Exsudat in den Verbandsstoff aufgenommen werden, in dem sie mit dem Silber in Kontakt kommen und eliminiert werden.

Im Wesentlichen gibt es drei  Formen von Silber, welche in Wundauflagen verwendet werden:

Elementares (metallisches) Silber

Reinsilber, mit einem Reinheitsgrad von mindestens 99,99% hierzu zählt auch Silber in nanokristalliner Form, auch kolloidales Silber genannt.

Produktbeispiele mit nanokrisattlinem Silber (alle von Smith & Nephew)

  • Acticoat™ / 7  mit dreischichtigem Polyurethannetzen.
  • Acticoat™Flex 3 / 7 mit einer Polyester-Matrix
  • Acticoat™ Absorbent Alginat
  • Acticoat™ Moisture control PU – Schaum

Die Zahlenangaben hinter den Produktnamen steht hierbei, laut Herstellerangabe, für die bis zu den jeweiligen Tagen sichere Barriere gegen eine bakterielle Kontamination. 

Silber-Sulfadiazin

Unterdrückt das Wachstum von Bakterien und Hefepilzen, beugt auf diese Weise der Infektion oberflächlicher Wunden vor.

Produktbeispiele: 

Ionisierendes Silber

„Ionisiert“ bezieht sich auf einen Zustand, in dem ein Teilchen eine elektrische Ladung besitzt. Im Fall von „elektro-kolloidalen“ Silber ist die Ladung immer positiv. Silber erzeugt kein negatives Ion.

Produktbeispiele:

  • Aquacel® Ag / + extra™ (Hydrofaser), Aquacel® AG Foam (Schaumverband mit Hydrofiber™-Technologie), Aquacel® AG Burn (für Verbrennungswunden, auch als Handschuh erhältlich), Aquacel® AG Surgical (Verband mit Hydrokolloid und Hydrofiber™-Technologievon ConvaTec
  • Biatain®AG nichthaftend / selbsthaftend / Silicone (Schaumverbände), sowie Biatain®Alginate AG von Coloplast
  • Mepilex®AG / Border / Transfer von Mölnlycke Health Care Schaumverbände

Hinweise bei der Verwendung von silberhaltigen Auflagen

  • nicht kompatibel mit Produkten auf Ölbasis
  • Einsatz über Wundrand hinauf sollte vermieden werden, um Schäden durch Silberfreisetzung auf der gesunden Haut auszuschließen (außer der jeweilige Hersteller gibt explizit andere Aussagen an)
  • bei allen silberhaltigen Auflagen ist es für die Wirksamkeit notwendig, dass Feuchtigkeit vorhanden sein muss (ansonsten keine Silberfreisetzung)
  • Hautveränderungen in der Umgebungshaut sind möglich, sowie eine Schwarzfärbung der Wunde, die jedoch vorübergehend sind. Dennoch ist eine adäquate Wundbeurteilung dadurch nicht durchführbar.
  • bei nanokristtalines Silber darf zum Anfeuchten der Auflagen keine Kochsalzlösung verwendet werden, sondern steriles Aqua. Bei Kontakt mit Kochsalzlösung kommt es zur Oxidation, wodurch das Silber inaktiv wird und folglich nicht mehr wirkt
  • bei Strahlentherapie: Hängt stark ab von der Strahlendosis und vom Silbergehalt der Auflage. Bei niedriger Strahlendosis ist es möglich, Auflage mit niedrigem Silberhalt auf der Wunde zu belassen. Dies ist allerdings vor Therapiebeginn mit dem zuständigen Nuklearmediziner zu klären!
  • bei elektronischen Messungen muss sichergestellt sein, dass kein Kontakt zu Elektroden oder leitenden Gels besteht.
  • größtenteils nicht kompatibel mit Magnetresonanz-Bildverfahren
  • Wie viel Silber aus den Verbandsstoffen tatsächlich im Körper resorbiert wird, ist nicht bekannt. Patienten-Beobachtungen haben allerdings gezeigt, dass keine Gefahr bei den Patienten besteht. Die enthaltenen Silberdosen in Verbandsstoffen haben keine toxische Wirkung, da diese zu gering sind.
  • Mischungen mit anderen Wirkstoffen (Jod, Octenisept®, Polihexanid, Kollagen) sind nur im Rahmen der Herstellerangaben vorzunehmen
  • Kontraindikation: Silberallergie

Besteht eine Resistenzentwicklung gegenüber Silber?

Aktuell hat die Forschung keine relevante Resistenzentwicklung gegenüber Silber beobachten können, obwohl in der Fachliteratur vereinzelt Hinweise hierfür zu finden sind. Die Wirkung ist vergleichbar unspezifisch wie bei Jod und ähnliche wie dort gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise auf Resistenzen bei relevanten Wundkeimen. Auf Grund der stetig wachsenden Verwendung von Silber im Haushalt, Freizeit und Medizin sind Anpassungen bestimmter Mirkoorganismen denkbar, echte Resistenzen daher nicht ausgeschlossen.

Interessante Links:

Quellen:

- Palliative Wundversorgung von Susanne Danzer
- 100 Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Bernd Assenheimer
- Kompendium Wundbehandlung, 22. Auflage 2016, von Bernd v. Hallern
- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage, von Kerstin Protz
- div. Herstellerangaben (ConvaTec, Smith & Nephew, Urgo, Coloplast)

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