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6. März 2016 Thema:

Schaumverband

Verbandsstoffkunde: Der Schaumverband

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Auswahl von Schaumverbänden am Markt zu erhalten, jedoch ist nicht jeder Schaumverband gleich. Es gibt feinporige, beschichtete, grobporige und offenporige Schaumstoffe. Die unterschiedliche Struktur wird erreicht, indem die Schaumstoffe unterschiedlich stark vom jeweiligen Hersteller aufgeschäumt werden. Schaumverbände werden während der Exsudationsphase und auch in der Proliferations- / Granulationsphase eingesetzt und können bei sämtlichen Wundarten eingesetzt werden, bsp. Dekubitus, Ulcus cruris, Verbrennungen, Hautablederungen, diabetisches Fußsyndrom.

Hydropolymer- / Polyurethanverbände

Es handelt sich hier um einen feinporigen Schaumverband auf Grundlage von Hydropolymeren / Polyurethan, dieser ist strukturbeständig und quellen bei Kontakt mit Exsudat auf und füllt die Wunde auf (kleine Wundtiefen werden durch den Schaum aufgefüllt). Dieser Verband zeichnet sich durch eine hohe Exsudataufnahmekapazität aus (bis zum 30-Fachen des Eigengewichts!), sodass ein Exsudatstau verhindert werden kann. Zellbestandteile und Wundexsudat werden in die Struktur aufgenommen und beim Verbandswechsel entfernt. Die Auflage schützt das frische Gewebe vor traumatischen Einwirkungen und Sekundärinfektionen von außen. Die luftdurchlässige Membran ermöglicht den Gasaustausch und sichert durch ihre thermo-isolierende Funktion ein gleichbleibendes warmes und feuchtes Wundmilieu. Je nach dicke und Aufnahmekapazität des Hydropolymerverbandes eignet sich die Wundauflage für leicht bis stark exsudierende Wunden.

Grobporiger Schaumverband

Diese verfügen über eine gute Aufnahme von dickflüssigem, zähem Exsudat und haben die Fähigkeit, Fibrinbeläge zu binden. Dafür sind diese für dünnflüssiges Exsudat nicht geeignet, da sie diese nicht adäquat binden können. Grobporige Schaumverbände kommen in der Reinigungs- bzw. Exsudationsphase zum Einsatz. Bei Wundschmerzen ist dieser Schaumverband allerdings kontraindiziert (bis auf Ligasano® weiß)

Besondere Hydropolymer- / Polyurethanverbände

  • mit Superabsorber, hierdurch wird die Aufnahmekapazität erhöht
  • mit Silikonbeschichtung. Diese eignen sich besonders bei hohem Allergiepotenzial, starker Hautsensibilität oder multiplen Allergien, da Silikon eine sehr hypoallergene Eigenschaft aufweist
  • Hydropolymere, die in Wundhöhlen eingebracht werden können (Cavity / WIC – Verband zum Auskleiden von unterminierten, granulierenden Wundhöhlen und Taschen), dürfen nur locker eingelegt werden bzw. bis höchstens zwei Drittel der Wunde aufgefüllt werden, da der Schaum beim Aufquellen frisches Gewebe auseinandertreiben und zerquetschen kann.
  • mit Analgetika (Ibuprofen) für schmerzende Wunden mit lokaler Freisetzung von Ibuprofen. Es wird kontinuierlich eine geringe Menge an Ibuprofen an die Wunde abgegeben bei Kontakt mit Exsudat (in der gesamten Schaummatrix ist homogen 0,5 mg/cm2 Ibuprofen verteilt)
  • mit PHMB (Polyhexanid) für eine silberfreie Infektionsbekämpfung chronischer und aktuer Wunden.

Weitere Hinweise

  • Einige feinporige Schaumverbände dürfen nicht zerschnitten werden, da dieser Vorgang ihre Saugstruktur zerstört (s. jeweilige Packungsbeilage!)
  • Je nach Menge des Exsudats kann der Schaumverband bis zu sieben Tage auf der Wunde verbleiben
  • Auf Grund der flüssigkeitsaufnehmenden Eigenschaften können Schaumverbände unter Kompression verwendet werden
  • Ist die Exsudataufnahmekapazität ausgeschöpft, kann es allerdings zu einer Mazeration der Umgebungshaut bzw. des Wundrandes kommen
  • zähflüssiges Exsudat wird bei einem feinporigen Schaumverband nur unzureichend aufgenommen.
  • Es gibt spezielle Schaumverbände in Fersen- und Sakralform, um diese an „Problemstellen“ besser anmodellieren zu können.
  • eignet sich als Primär- und Sekundärabdeckung

Offenporige Polyurethan-Schaumverbände

Diese Wundauflagen bestehen aus einem zweischichtigen Polyurethan-Schaumstoff, dessen unterschiedliche physikalische Strukturen ihre Wirksamkeit ausmachen. Die offenporige Struktur der auf der Wundfläche haftenden Unterseite besitzt ein hohes Aufnahmevermögen für Wundexsudat, Gewebszerfall und Keimen. Die verdichtete Deckschicht dient als Barriere gegen Sekundärinfektionen und Flüssigkeitsverlust.

Cave!

Die offenporigen Schaumverbände üben einen starken Granulationsreiz aus. Durch den intensiven Reinigungseffekt eignen sie sich für verschmutzte, exsudierende und infizierte Wunden. Die Auflage darf allerdings nicht auf Knorpel, Knochen, Periost, Perichondrium oder Sehnen angewendet werden. Bei Gewebszerstörung im Subkutisbereich besteht bei Anwendung Austrocknungsgefahr und somit die Gefahr der Nekrosenbildung! Des weiteren sind Schmerzen beim Verbandswechsel, sowie Verletzungen am Granulationsgewebe möglich auf Grund des Adhäsionseffekt des offenporigen Schaumverbandes. Die Zellen neigen dazu, durch den starken Granulationsreiz in den Schaumverband einzuwachsen! Diese Schäume finden in der Wundversorgung kaum noch Einsatz, sondern eher zur kurzfristigen Wundkonditionierung meist vor plastischen Eingriffen und bei der Unterdrucktherapie.

Weitere Hinweise zu Schaumverbänden

  • Die meisten Schaumverbände sind auch mit Silberanteil erhältlich
  • Schaumverbände können an schwierigen Körperstellen zusätzlich am Rand mit einer semipermeablen Transparentfolie oder einem silikonbeschichteten Film fixiert werden. Dadurch wird ein frühzeitiges Verrutschen oder Aufrollen der Wundauflage verhindert. Ein vollständiges Überkleben von folienbeschichteten Wundauflagen birgt die Gefahr des Verlusts der Semiokklusivität und damit ggf. der Ausbildung einer feuchten Kammer. Folienverbände sind feuchtigkeitsabweisend, sodass sie bei Verschmutzungen abgewischt werden können
  • Schaumverbände gibt es mit und ohne Kleberand. Schäume mit Kleberand können folgende Zusatzbezeichnungen haben: selbsthaftend, border, adhäsiv. Schaumverbände ohne Kleberand werden bei schuppiger, gereizter und mazerierter Umgebungshaut verwenden. Produkte mit speziellen Beschichtungen (z.B. mit Silikon, Soft-Gel, Hydro-Gel, mikroadhäsiver Lipidokolloidmasse oder einer zusätzlichen Wunddistanzgitterschicht) sind ebenfalls eine Option für beanspruchte Haut.
  • Viele Schaumverbände gibt sind auch in der sogenannten „Lite – Version“ erhältlich.

Unterteilung der Schaumverbände

Quellende, expandierende Schaumverbände (einige Beispiele)

  • Feinporig: Biatain ®, Biatain ® cavity, Cutinova ® hydro, Allevyn ™ Compression, Allevyn ™ thin, Allevyn ™ plus cavity
  • Beschichtet: Cutimed®, Siltec ®, Mepilex ®

Formstabile Schaumverbände (einige Beispiele)

  • Feinporig: Tegaderm ™ Foam und -adhesive, Allevyn™ Schaumverband nicht-haftend und haftend, Allevyn ™ Gentle, PermaFoam®, Suprasorb® P
  • Beschichtet: Mepilex ® border und – transfer, Allevyn ™ Gentle und Gentle Border
  • Grobporig (gemischporig): Ligasano® weiß (hierbei ist nicht die Porengröße gemeint, sondern der Grad der Offenzelligkeit)
  • Offenporig: Epigard®, Syspo-Derm®

 

Quellen:

- 100 neue Fragen zur Wundbehandlung, Susanne Danzer und Anke Bültemann
- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage, Kerstin Protz

 

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