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13. September 2017 Thema:

Bisswunde

Wundwissen Lexikon: Bisswunde

Hundebiss nach drei Tagen
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dog_bite.JPG By Nicor (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Bisswunde ist eine mechanische Wunde, die durch die Einwirkung von Tier- oder Menschenzähnen entsteht und der Riss- , Quetsch- und Stichwunde gleicht. Spitze Zähne lassen oft nur kleine Einstiche erkennen, unter denen sich aber größere Kavernen in der Tiefe verbergen können. Dabei werden die im Mund befindlichen Bakterien auf das Bissopfer übertragen und können lokale oder systemische Infektionen verursachen. Je größer der Kiefer, je spitzer die Zähne und je größer die Kraft, die auf eine Körperpartie ausgeübt wird, desto schlimmer ist die resultierende Verletzung. Sie reicht von leichten Oberhautdefekten bis hin zur völligen Abtrennung eines Körperteils (z. Bsp. Finger).

Durch Bisse von Gifttieren, deren Giftapparat im Maul bzw. Kiefer befindlich ist, kann es darüber hinaus zu Intoxikationen kommen (z.B. Schlangenbiss).

Epidemiologie

Über 80% der Bisswunden in Industrieländern sind Hundebisse. Die höchste Inzidenz für Hundebisse liegt im Kindesalter zwischen 5 und 9 Jahren. Die häufigste Lokalisation ist hierbei der Kopfbereich – Hundemütter erziehen ihre Welpen durch den sogenannten „Schnauzgriff“. Die zweithäufigsten Bisse (ca. 10%) sind Katzenbisse. Sie betreffen vor allem Frauen, die älter als 20 Jahre alt sind und sind in der Regel an der Hand lokalisiert. Bisswunden durch Menschen sind die dritthäufigste Gruppe. Hier dominieren klinisch passive Bissverletzungen, die z.B. durch einen Faustschlag in das Gesicht ausgelöst sind.

Pathologie

Die Bisswunde kann man als Kombination aus Stich-, Quetsch- und Risswunde verstehen. Umfang und Art der Verletzung sind von der Form der Zähne und vom Kaudruck der Kiefer abhängig. Front- oder Eckzähne führen zu schlitz- oder punktförmigen Verletzungen, unter denen sich in der Tiefe aber größere Wundräume verbergen können. Mahlzähne mit großer Kaufläche führen eher zu Quetschwunden mit Exkoriationen. Durch die bakterielle Besiedelung der Mundhöhle bzw. den hohen Keimgehalt des Speichels ist jede Bisswunde als kontaminiert anzusehen. Stichartige Wunden sind für den Menschen aufgrund der hohen Infektiosität gefährlicher.

Komplikationen

Bisswunden sind Problemwunden da die Infektionsgefahr aufgrund der im Speichel enthaltenen zahlreichen Keime sehr hoch ist. Es besteht grundsätzlich die Gefahr der Kontamination auch tieferer Gewebeschichten, in denen sich die Keime schnell ausbreiten und vermehren können. Dabei sind Katzenbisse infektiöser als die Bisse von Hunden. Am meisten Keime sind jedoch im menschlichen Speichel enthalten, weswegen sich Menschenbisse sehr schnell infizieren. Desweiteren können durch Menschenbisse auch Infektionen mit HIV oder Hepatitis B und C erfolgen, bei Tierbissen kann es zudem auch zu einer Tollwut-Infektion kommen!

Sonderfälle

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8566187

Sonderfälle unter den Bisswunden stellen Schlangen- und Insektenbisse dar. Typisch für Schlangenbisse sind die zahlreichen (bei Giftschlangen nur zwei) feinen Einstichstellen. Die Versorgung der Bisswunde ist bei Giftschlangen jedoch von untergeordneter Bedeutung, im Vordergrund steht die Behandlung der Vergiftung mit entsprechenden Antiseren.

 

 

 

Bakteriologie

Die Infektionsrate für Tierbisse durch Hunde oder Katzen wird zwischen 4% und 25% angegeben. Zu den typischen Erregern bzw. Erregerspezies, die durch Tierbisse übertragen werden, zählen unter anderem:

Therapie

Wichtig ist hierbei zuerst die Anamnese zu erfragen. Somit können potentielle übertragene Erreger und einhergehende Risiken gewonnen werden:

  • von welchem Lebewesen (Tier oder Mensch) stammt der Biss?
  • Herkunft des Tieres (Haus- oder Wildtier) und wie war dessen Verhalten?
  • wie lange besteht die Wunde bereits?
  • aktueller Impfstatus (Tetanus, Tollwut und bei Menschenbiss auch Hepatitis)?

Bei der Inspektion des Bisses ist vor allem auf zusätzlich verletzte Gefäße, Nerven, Knochen, Gelenke und Muskelsehnen zu achten. Bei tiefer gehenden Bissen, besteht eine höhere Infektionsgefahr, da hier der direkte Anschluss zum Gefäßsystem wahrscheinlicher ist als bei oberflächlichen Verletzungen.



Die Therapie der Wahl bei einer Bisswunde ist die „offene Wundbehandlung„. Die Wunde wird gesäubert / desinfiziert (mit einer antiseptischen Lösung) und gegebenenfalls ausgeschnitten, um totes Gewebe zu entfernen. Zu Beginn wird die Wunde offen gehalten. Ausgeschnitten wird sie auch dann, wenn die Wundränder zerfetzt sind und sich somit schlecht adaptieren lassen. Gerade Wundränder lassen sich besser und mit schönerem kosmetischem Ergebnis einer Narbe zusammennähen. Die Möglichkeit des Ausschneidens der Wunden ist stark begrenzt von der Lokalität der Wunde. Eine Wunde im Gesicht wird weniger großzügig ausgeschnitten, als beispielsweise eine vergleichbare Wunde am Oberschenkel. Bisswunden, vor allem solche mit hohem Infektionsrisiko, dürfen primär nicht genäht werden.

Ergänzend ist eine Antibiotikaprophylaxe sinnvoll. Eine Tetanus-Impfung sollte aufgefrischt werden, während bei einem Tollwutverdacht eine Simultanimpfung mit Immunglobulinen und einem Tollwutimpfstoff durchgeführt werden muss.

Die Auswahl des Verbandsmaterials richtet sich nach der Größe / Tiefe / Lokalisation und Zustand (bsp. Entzündungszeichen) der Bisswunde.

 

Interessanter Link bezüglich warum Hunde beißen:

Aggression bei Hunden – Warum beißen Hunde?

 

Quellen:
- http://flexikon.doccheck.com/de/Bisswunde
- http://www.pflegewiki.de/wiki/Bisswunde
- https://www.dr-gumpert.de/html/bisswunde.html
- https://www.akademie-hund.de/aggression-bei-hunden-warum-beissen-hunde/

Fotoquelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dog_bite.JPG By Nicor (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Wiki-Harfus in der Wikipedia auf Deutsch - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8566187

 

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