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13. März 2017 Thema:

Narben

Grundwissen auf Wundwissen: Narben

Quelle: https://www.slideshare.net/mehr92/neck-93

 

 

Als Narbe wird nach Zerstörung des kollagenen Netzwerks der Haut ein minderwertiges, faserreiches Ersatzgewebe (Fibrose) bezeichnet, welches die Endphase und das Ergebnis der Wundheilung ist. Noch Wochen bis Monate, teilweise bis zu Jahren, nach dem eigentlichen Wundverschluss entwickelt sich das Narbengewebe weiter. Elastische Fasern werden erst nach ca. 50 Tagen gebildet, nach ca. 100 Tagen erreicht die Dermis etwas 70% der Reißfestigkeit des normalen Gewebes. Die Dermis wird dadurch widerstandsfähiger, dass sich die zunächst ungerichteten Kollagenfasern im Laufe der Zeit entlang der Hautspannungslinien anordnen.

 

Eine anfänglich noch rötlich bis braune bzw. blaurötliche Narbe (unreife Narbe) verblasst, nimmt das Hautniveau der Umgebung an und verbleibt im Idealfall kaum noch sichtbar als „Haarliniennarbe“ (reife Narbe). Ästhetisch gesehen zeigt das Narbengewebe jedoch immer Defizite. Bei Hautbräunung bleibt diese blass, da Melanozyten fehlen. Ferner fehlen Haare, Schweiß- und Talgdrüsen, sowie das typische Hautmuster. Schrumpfungen und Verhärtungen im Gewebe sind zurückzuführen auf einen Mangel an elastischen Fasern.



Bei frischen Schnittverletzungen mit glatten Wundrändern und bei chirurgisch gesetzten Schnitten stehen die Chancen auf eine unauffällige Narbe gut. Bei stärkeren Gewebeverlust, großflächigen Defekten, Infektionen und chronischen, sekundär heilenden Wunden kommt es schnell zu störenden Ausprägungen der Narben – diese können kosmetisch und funktionell zu einem Problem werden. Möglich ist außerdem, dass die Beweglichkeit eingeschränkt ist, Juckreiz, Schmerzen und schlimmstenfalls wuchern.

Komplikationen

Narbenhyperthropie

Hypertrophe Narbe (4 Monate nach der Verletzung)
Von User:Cgomez447 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25455440

Es entsteht eine wulstige Narbenbildung, die über das Hautniveau hinausreicht, wenn im Wundheilungsverlauf starke Zugkräfte auf die Wunde und die frische Reepithelisierung wirken. Sie entstehen durch eine vermehrte Bildung von Blutgefäßen und Bindegewebe auf Grund des ständig einwirkenden Zugreizes. Es handelt sich außerdem um ein faserreiches Gewebe, bei dem das Gleichgewicht zwischen Kollagenaufbau und -abbau gestört ist. Es kommt zu Fehlregulationen von Wachstumsfaktoren und anderen Botenstoffen folglich mit einer Gewebewucherung. Sehr häufig entstehen Narbenhypertrophien nach Verbrennungen.

 

 

 

 

Keloid

Keloid aus einer Operationswunde heraus entstanden (ca. 1 Jahr nach der OP)
Von Michael Rodger – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15622510

Keloide sind Gewebewucherungen, die nicht nur im Wundbereich zu finden sind, sondern sich auch tumorartig im umliegenden gesunden Gewebe ausbreiten können. In seltenen Fällen kann sich hieraus ein Narbenkarzinom bilden (meist Plattenepithelkarzinom). Durch das eingelagerte Wasser ist das Narbengewebe prall, glänzend und glatt. Keloide kommen sehr oft in pigmentierter Haut vor, wahrscheinlich ist auch eine genetische Disposition verantwortlich dafür. Dunkelhäutige Menschen neigen zu einer starken Keloidbildung.

Charakterisitka von hypertrophen Narben und Keloiden

Hypertrophe Narben

  • Aussehen: Anfangs gerötet, bläulich-rosa, zunehmend verblassend zu hautfarben bis weiß innerhalb von 6 – 12 Monaten. Erhaben über dem Hautniveau und begrenzt auf den Wundbereich
  • Starker Einfluss durch erhöhte Zugkräfte im Wundbereich
  • Heilung: Spontane, langsame Rückbildungstendenzen (innerhalb 6 – 36 Monaten), Ausheilung ohne große Rezidivrate

Keloide

  • Aussehen: Rötlich bis violett, Oberfläche glänzend / glasig. Erhaben über dem Hautniveau und überragt die ursprüngliche Wundfläche. Wächst infiltrierend ins umliegende gesunde Gewebe, oft erst Monate nach der Wundheilung
  • Starker Einfluss: disponierende Faktoren – junges Alter, dunkle Hautfarbe, Lokalisation (Sternum, Rücken), weibliches Geschlecht (doppelt bis dreimal so häufig wie Männer), Hormone (erhöhte Östrogene und Thyroxin infolge von Schwangerschaft, Pubertät, Stoffwechselerkrankung)
  • Heilung: Keine spontane Rückbildungstendenzen. Schwierige, oft sehr langwierige Behandlung. Hohe Rezidivrate, insbesondere nach Reduktion und Abtragen (45 – 100%)

Narbenkontraktur

In Folge einer ungleichmäßigen Wundkontraktion, besonders bei sekundär heilenden, großflächigen Wunden. Hierbei kommt es oft zu eingezogenen Narben. Diese behindern die Beweglichkeit, insbesondere, wenn diese über Gelenke verlaufen. Zudem entstehen Narbenkontrakturen auch durch Verbrennungen, Tumorexzisionen, Amputationen, aber auch von Akne, Verbrühungen oder Piercing.

Narbenatrophie

Mangelnde dermale Gewebeauffüllung, welche nicht mehr das alte Hautniveau erreicht – wie bei schlüsselförmig eingesunkenen Aknenarben.

 

Narbenbehandlung

Narbenprophylaxe

Es gilt bereits im Frühstadium die fehlgesteuerte Koallagenynthese zu kontrollieren – Ursachen und Risikofaktoren spielen eine sehr wichtige Rolle.

  • mechanischen Zug möglichst vermeiden. Im Bereich von Gelenken, an Beuge- und Dehnstellen der Haut und bei ungünstigen Verlauf von Schnittverletzungen, etwa vertikal zu den natürlichen Hautspannungslinien (s. Foto oben) ist dies nur sehr schwer zu vermeiden
  • termingerechtes Entfernen von Fäden und Klammern (6. – 12. Tag, je nach Körperregion)
  • Fremdkörper, z.B. verbleibende Schmutzpartikel und Wundinfektionen fördern ebenso die Narbenbildung
  • Beginn einer frühen Narbenpflege – Massieren, geschmeidig halten mit Salben, frühzeitige gezielte Bewegungsübungen, Ausübung von gezielten Gegendruck in Form von Kompressionstherapie.
  • in den ersten 6 – 12 Monaten vor äußeren Reizen und Austrocknung schützen: Schutz vor intensiver Sonnen- und UV-Bestrahlung (LSF über 25), Kälte, Reibung oder Druck durch enge Kleidung, Gürtel, Schuhe, etc.

⇒ Es ist weitaus effizienter, hypertrophe Narben frühzeitig zu verhindern, als sie später zu behandeln. Die beste Art Narben zu begegnen, ist ihre Prophylaxe!

Narbenbehandlung

Durch eine Narbenpflege wird die neue Haut geschmeidig gehalten. An erster Stelle steht zunächst die konservativen Methoden mit Salben, Narbenverbänden oder physikalischen Behandlungen. Bei unbefriedigendem Ergebnis gefolgt oder kombiniert mit invasiven Methoden: Operation, intraläsionale Corticoidinjektionen, radiologische Methoden, Kryotherapie.

Bei primären Nähten kann bereits mit der Narbenpflege begonnen werden, sobald das Nahtmaterial entfernt ist, auch wenn noch Verkrustungen vorhanden sind. Bei einer sekundären Wunde kann mit der Narbenpflege begonnen werden, sobald die Epithelisierung abgeschlossen ist.

Narbensalben und Steroide

Durch eine Narbenpflege wird die neue Haut geschmeidig gehalten. Beim Einreiben mit einer Salbe kommt es zu einem Massageeffekt und dadurch zu einer vermehrten Durchblutung. Dies wiederum bedeutet eine bessere Versorgung des Gebietes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ferner werden Ödeme vom Körper besser abtransportier, wodurch der Patient weniger Zug auf der frischen Narbe verspürt. Die zur äußerlichen Anwendung angebotenen Zubereitungen enthalten vor allem Substanzen, die die Wasserbindung im Narbengewebe erhöhen (Harnstoff, Heparin, Allantoin), die das Gewebe geschmeidiger machen (fetthaltige Grundlagen) und solche, die zur Auflockerung des Gewebes beitragen Campher und Allantoin können einen vorhandenen Juckreiz lindern.

Das noch zarte Narbengewebe wird zu Beginn nur vorsichtig eingestrichen, mit zunehmender Festigkeit kann die Salbe kräftig einmassiert werden. Eine Anwendung von 1 – 3x tgl. über mehrere Monate (je nach Ausgangssituation) ist empfehlenswert.

Zur Narbenprophylaxe und -therapie eignet sich auch die lokale Anwendung von Steroiden unter Okklusivbedingungen (mit Hilfe einer semipermeablen Folie). Möglich sind auch Corticoidinjektionen direkt in das Narbengewebe, diese können jedoch sehr schmerzhaft sein. Mögliche Nebenwirkungen sind Atrophien der Subkutis, Teleangiektasen und Pigmentstörungen.

Narbenverbände

Zur Behandlung und Prophylaxe alter und junger Narben werden Polyurethan- und Silikonprodukte angewendet. Sie schaffen im Narbenbereich ein Hautklima, das die Stoffwechselprozesse anregt und die Regeneration des Gewebes fördert. Zusätzlich bewirken Narbenpflaster durch die Ausübung von leichtem Druck auf die Narbe, eine Umstrukturierung des Gewebes und erhöhen so dessen Elastizität. Narbenpflaster enthalten keine pharmazeutischen Wirkstoffe, Nebenwirkungen durch ihre Anwendung sind nicht bekannt. An Körperteilen, die viel bewegt werden (z.B. Ellbogen, Knie), kann die Anwendung zusätzlicher Fixierstreifen notwendig werden, die mitunter zu Hautreizungen führen können. Die Narbenpflaster werden nach abgeschlossener Wundheilung auf die Narbe geklebt und dort mindestens 12 Stunden belassen. Aus hygienischen Gründen sollten sie spätestens nach 24 Stunden gewechselt werden. Eine Behandlung mit Narbenpflastern erfolgt über einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Monaten, wobei die Behandlungszeit von der Beschaffenheit der Narbe und der Hautstruktur des Betroffenen abhängt. Während dieses Zeitraums sollte die Behandlung nicht länger als 12 Stunden unterbrochen werden, um einen Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Bereits seit den 80er Jahren wird Silikongel in Form halbfester Zubereitungen bei hypertrophen Narben und Keloiden eingesetzt. Silikongele sind kosmetisch unauffällig. Spezielle Narben-Gels oder Narben-Salben reduzieren Rötungen, wirken auflockernd auf das Gewebe, lindern Schmerz und Juckreiz. Ein Silikongel bildet dabei über der Narbe einen dünnen Schutzfilm, der luftdurchlässig, aber wasserundurchlässig ist. Der damit erreichte Okklusions- und Hydratationseffekt beeinflusst positiv die Hydratationsbalance. Die Narbe wird weicher und elastischer. Außerdem werden physiologische Prozesse im heilenden Gewebe gefördert. So halbiert Silikon das Risiko der Entwicklung von Keloiden und hypertrophen Narben.

 

 

Quellen:

- "100 Fragen zur Wundbehandlung" von Susanne Danzer und Bernd Assenheimer
- "100 neue Fragen zur Wundbehandlung" von Susanne Danzer und Anke Bültemann
- "Wundversorgung für die Pflege" von Anette Vasel-Biergans und Wiltrud Probst
- http://www.wikipedia.de
- http://www.heitmann-fansa.de/de/narbenpflege.html
Fotos:
Hautspannungslinien: https://www.slideshare.net/mehr92/neck-9
Keloid: Von Michael Rodger - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15622510
Hypertrophe Narbe: Von User:Cgomez447 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25455440

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Autor dieses Beitrags: Lisa Spreitzer

Lisa Spreitzer - Autorin auf Wundwissen.info. Altenpflegerin, Praxisanleiterin, Wundexpertin nach ICW und Pain Nurse. Tätig im Wundaußendienst bei der Firma Ellipsa medical services GmbH.

Website des Autors: https://www.wundwissen.info

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