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26. Mai 2016 Thema:

Wundspüllösung

Verbandsstoffkunde: Wundspüllösung

Eine adäquate Wundreinigung ist die Voraussetzung für eine optimale Wundbeurteilung und die Grundlage für einen Heilungserfolg. Zunächst werden Gewebereste, Nekrosepartikel, überschüssiges Exsudat, Beläge, Verbandsrückstände, Fremdstoffe und Zelltrümmer von Wundrand und Wundgrund entfernt, um eine Wundbeurteilung zu ermöglichen. Ferner dient eine Wundspülung der Beseitigung des Biofilms, wobei dies nur unterstützend zusammen mit Antiseptika und chirurgischen Débridement oder z.B. einer ultraschallassistierten Wundreinigung optimal gelingt.

Anforderungen an eine Wundspüllösung

  • steril
  • schmerzfrei
  • physiologisch
  • erwärmbar
  • farblos
  • nicht Gewebeschädigend

Ringer®- und physiologische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) erfüllen diese Voraussetzungen optimal

Unterschied von Ringer®- und Kochsalzlösung

Die Ringerlösung® enthält zusätzlich die Elektrolyte Kalium, Natrium und Kalzium. Beide Lösungen sind isotonische (ca. 270 – 300 mosmol/l), unkonservierte Lösungen. Aus rein ökonomischen Gesichtspunkten wird die NaCl 0,9% – Lösung der Ringerlösung vorgezogen, da diese kostengünstiger ist.

Allerdings können längere Spülanwendungen bis hin zu Dauerbenetzung bei Einsatz von NaCl-0,9%-Lösung zu Elektrolytverschiebungen führen. Daher sollten in solchen Fällen die Ringerlösung bevorzugt werden, da diese die wesentlichen Ionen des Extrazellulärraums enthalten und daher vom Gewebe gut vertragen wird.

Unkonservierte Lösungen sind direkt nach Anbruch wegen möglicher Verkeimung zu entsorgen. In der Regel werden Infusionsflaschen mit isotoner Kochsalzlösung oder Ringerlösung® benutzt, um daraus die nötige Menge an Lösung für die Wundspülung zu entnehmen. Die Infusionsflaschen sind jedoch Einmalentnahmebehältnisse, da sie keine Konservierungsstoffe enthalten. Unter Verwendung eines Mini Spike mit Filter dürfen die Infusionsflaschen nur maximal 24 Stunden aufbewahrt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht ist daher die Verwendung von Plastikampullen sinnvoller!

Ist eine Wunde infektfrei, ist diese Art der Wundspüllösung ausreichend.

Wundantiseptika

Antiseptika ergänzen den rein mechanischen Effekt der Wundspülung. Erreger werden nicht nur ausgespült, sondern auch abgetötet, allerdings ist hierfür die jeweilige Einwirkzeit zu beachten!

Als Indikation zur Verwendung von Wundantiseptika zur Wundspülung gelten die kritisch kolonisierte und infizierte Wunde. Antiseptika sind also keine Dauerspüllösungen und sollten nur zum Einsatz kommen, solange die genannten Risiken bestehen, um die Mikroorganismen auf der Wunde abzutöten.

Wundantiseptika können bakterizid oder bakteriostatisch, fungizid oder fungistatisch, sowie viruzid wirken. Grundsätzliche Eigenschaften sind:

  • umfassendes Keimspektrum
  • lange Wirkdauer (Remanenz)
  • kein Eiweißfehler
  • keine Resistenzbildung
  • farblos
  • nicht toxisch
  • nicht wundheilungshemmend
  • schmerzarm / schmerzfrei
  • körperwarm anwendbar
  • nicht allergisierend
  • Einzelne Wirk- und Hilfsstoffe sollten nicht resorbierbar sein

Geeignete Produkte exsistieren auf der Basis von Octenidin oder Polihexanid. Beide dürfen nicht mit anderen Flüssigkeiten gemischt werden!

Octenidin

Octenidindihydrochlorid (Octenidin) ist ein unspezifischer antimikrobieller, kationenaktiver Wirkstoff aus der chemischen Gruppe der Bispyridine mit einer breiten Wirkung gegen Bakterien, Pilze und behüllte Viren. Octenidinhaltige Produkte werden topisch zur Desinfektion von Haut und Schleimhäuten, zur Wunddesinfektion, sowie zur MRSA Dekontamination eingesetzt

  • schneller Wirkeintritt (1 – 2 Minuten), nach Anbruch maximal 3 Jahre haltbar
  • Kontraindikationen: Keine Anwendung an intaktem, vitalem Knorpelgewebe; Nicht unter Druck in Wundhöhlen bzw. ins Gewebe einbringen oder injizieren – ein guter Abfluss muss jederzeit gewährleistet sein (ansonsten mögliche massive Ödembildung und Gewebeschädigung); Nicht zu Spülung in der Bauchhöhle, Harnblase oder Trommelfell verwenden

Produktbeispiele:

  • octenisept® (mit Phenoxyethanolvon Schülke+
  • octeniderm® (mit 1-Propanol und 2-Propanolvon Schülke+, eignet sich aufgrund der Remanenzwirkung von mindestens 24 Stunden besonders zur Anwendung vor invasiven Eingriffen mit einem hohen Infektionsrisiko, z.B. vor dem Legen von ZVK. Auch zur präoperativen Hautantiseptik sowie vor Injektionen, vor Blutentnahmen und vor Punktionen kann octeniderm® farblos eingesetzt werden.
  • octenilin® Wundspüllösung von Schülke+, reinigt Wunden schnell und effektiv. Wundbelag und Biofilm werden entfernt und ein ideales Wundheilungsmilieu hergestellt

Polihexanid

Polyhexanid (PHMB) ist ein Antiseptikum zur Wundbehandlung, es wird bei schlecht heilenden, chronischen Wunden, sowie für Lavagen eingesetzt. Polyhexanid hat ein breites Wirkungsspektrum, u. a. auch gegen den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Die Wundheilung wird durch Polyhexanid wenig beeinträchtigt. Polyhexanid schädigt und tötet Bakterien bereits in sehr geringen Konzentrationen, indem es sich an die Zellwand von Bakterien bindet. Ferner ist PHMB Bestandteil von Flächendesinfektionsreinigern, Schwimmbadreinigern und Kontaktlinsen-Reinigungsprodukten (beispielsweise in einer Konzentration von 0,0001 – 0,0002 % enthalten). In Kosmetika wird Polyhexanid in zunehmendem Maße als Konservierungsmittel eingesetzt.

Dennoch wird an dieser Stelle auf die ECHA Studie im Jahr 2001 hingewiesen: Das Committee for Risk Assessment der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) stuft Polyhexamethylenbiguanid (PHMB, Polihexanid) als kanzerogenen Stoff der Stufe 2 (Carc.2) ein.

  • Wirkeintritt: 10 – 20 Minuten, bis die letzten Mikroorganismen inaktiviert sind
  • gilt derzeit als einziges Antiseptikum mit wundheilungsfördernder Wirkung, jedoch nicht viruzid und sporozid wirksam
  • Mittel der 1. Wahl als Wundspüllösung
  • Kontraindikationen: Keine Anwendung im Mittel- und Innenohr, Innenauge, Knorpelgewebe, bei aseptischen Gelenkoperation, im gesamten Bereich des ZNS und der Meningen, intraperiotoneal

Produktbeispiele:

  • Hemo Sept Wundspray von Stada, nach Anbruch 12 Monate haltbar; geeignet bei akuten und chronischen Wunden; Pflege von Kathetereintrittspforten; Lösen verkrusteter Wundauflagen und Verbänden
  • Lavanid® 1 / 2 von SERAG-WIESSNER, iso-osmotische Lösungen auf Basis der Ringer-Lösung DAB 7 mit 0,02% bzw. 0,04% Polyhexanid
  • Serasept® 1 / 2 von SERAG-WIESSNER, sterile antiseptische Lösung auf Basis einer Ringer-Lösung DAB 7 mit 0,02% bzw. 0,04% Polihexanid
  • Lavasept® Konzentrat von B.Braun, 1 ml Konzentrat enthält 200 mg Polihexanid, als Lösungsmittel wird Ringer-Lösung ohne Lactat empfohlen
  • Prontosan® von B.Braun mit 0,1% PHMB

Produkte auf PVP-Jod-Basis

  • schnell wirksam (1 – 2 Minuten)
  • Diverse Nachteile: starke Verfärbung (schlechte Wundbeobachtung / -beurteilung!), ggf. Schmerzen, allergische Reaktionen, sog. Eiweißfehler – wird bei Kontakt mit körpereigenem Eiweiß, wie Blut oder Exsudat inaktiv, sichtbar an der Entfärbung des Jods von Braun zu Gelb.
  • häufiger Verbandswechsel nötig, da Inaktivierung des Jods bei chronischen Wunden
  • wird vom Körper resorbiert, daher keine Anwendung bei Schilddrüsenerkrankungen, sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit!
  • Bei gleichzeitiger Behandlung mit Octenisept: Jod verfärbt sich Lila
  • Kann auf Knorpelgewebe angewendet werden

Taurolidin

Taurolidin ist antimikrobiell gegen Bakterien, antimykotisch gegen Pilze und neutralisiert Endotoxine. Das Mittel greift die Oberfläche der Zellwand von Bakterien an, dadurch werden diese abgetötet. Zusätzlich kann der Wirkstoff die entstehenden Gifte der Erreger inaktivieren. Das Wirkspektrum ist sehr breit und erstreckt sich über grampositive, gramnegative und anaerobe (Bakterien, die keinen Sauerstoff zum Leben benötigen) Keime. Es wird zur Behandlung einer Bauchfellentzündung, bei Weichteil- und Knochenverletzungen und einer Ansammlung von Eiter innerhalb des Brustfells eingesetzt. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören vorübergehende Reizungen und brennende Schmerzen.

Dekontaminierende Wundspüllösung

Eine dekontaminierende Wundspüllösung eignet sich gut für den Einsatz in der Infektionsprophylaxe. Beim Vorhandensein einer lokal begrenzten Wundinfektion sollte jedoch auf zugelassen Antiseptika zurückgegriffen werden.

Wundspüllösung mit aktiviertem (naszierendem) Sauerstoff – Produktbeispiele:

  • Microdacyn60® Wound Care von SastoMed, Verhindert die Vermehrung von Bakterien, Viren, Sporen, Pilzen im Produkt und in damit befeuchteten Verbänden und Kompressen,  ist nicht zytotoxisch, erleichtert zudem den mechanischen Abtrag von Mikroorganismen und Zellbruch. Hierdurch wird auch der oft
    unangenehme Wundgeruch rasch beseitigt und kann bei regelmäßiger Anwendung einer Infektion der Wunde vorbeugen.
  • BIOsept® Wundspülung von Glucometrix Pharma GmbH, reinigt, dekontaminiert und befreuchtet die Wunde, durchblutungsfördernd, farblos und geruchsabsorbierend
  • ActiMaris® von Chemomedica, Auf natürlicher und physiologischer Basis mit Ionisiertes Meerwasser + Singulett Sauerstoff, auch für empfindliche, irritierte und entzündete Haut und Schleimhaut geeignet, lange Haltbarkeit, gute Zell- und Gewebeverträglichkeit

Unzeitgemäße Wundspüllösungen

Merkmale obsoleter oder entbehrlicher Wirkstoffe zur Wundantiseptik http://www.werner-sellmer.de/Downloads/Leitlinien/Konsensusempfehlung%20Wundantiseptik%202004%20Deutsch.pdf

Merkmale obsoleter oder entbehrlicher Wirkstoffe zur Wundantiseptik
http://www.werner-sellmer.de/Downloads/Leitlinien/Konsensusempfehlung%20Wundantiseptik%202004%20Deutsch.pdf

Verordnungs- und Erstattungsfähigkeit von Wundspüllösungen und Antiseptika

Im ambulanten Bereich sind Wundspüllösungen und Antiseptika nicht verordnungs- und erstattungsfähig! Der Kostenaspekt spielt also bei der Entscheidung für eine Spüllösung eine große Rolle. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat eine Änderung der Arzneimittelrichtlinie (AMR) bezüglich verordnungsfähiger Medizinprodukte beschlossen. Die unkonservierten Produkte NaCl-0,9%-Lösung und Ringerlösung, sofern sie von den Firmen B.Braun oder Fresenius hergestellt wurden und der einmaligen Anwendung dienen, sind u.a. für die Wundspülung verordnungs- und erstattungsfähig.

 

Quellen:
http://www.werner-sellmer.de/Downloads/Leitlinien/Konsensusempfehlung%20Wundantiseptik%202004%20Deutsch.pdf

http://www.schuelke.com/de/de/index.htm

https://www.bbraun.de/content/dam/catalog/bbraun/bbraunProductCatalog/CW_DE/de-de/b0/lavasept-gebrauchsinformationundfachinformation.pdf.bb-.24390023/lavasept-gebrauchsinformationundfachinformation.pdf

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Taurolidin

http://www.wikipedia.de

http://microdacyn.de/#

http://www.glucometrix.de/wundbehandlung.php

http://www.actimaris.com/1_inhalt/produkte.html

-Kompendium Wundbehandlung von Bernd v. Hallern
-Moderne Wundversorgung, 7. Auflage von Kerstin Protz
-100 neue Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Anke Bültemann
-palliative Wundversorgung von Susanne Danzer

Interessante Veranstaltungen

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