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18. März 2016 Thema:

Hydrokolloidverband

Verbandsstoffkunde: Hydrokolloidverband (HCV)

Ein Hydrokolloidverband besteht im Wesentlichen aus drei Elementen:

  • Hydrokolloide, also quellfähige, hydrophile Substanzen, die Carboxymethylcellulose, Alginate, Gelatine, Pektin, Karaya-Gummi und weitere Zusatzstoffe enthalten.
  • Die Hydrokolloide werden in eine Trägermasse (sog. „Klebematrix“) eingebettet. Diese besteht aus synthetischen Kautschukarten und verleiht der Masse Elastizität. Die gute Haftfähigkeit sorgt dafür, dass die Masse auf der Wunde nicht verrutscht.
  • Umschlossen wird der Verband durch einen Polyurethanfilm oder vergleichbare Schaumstoffe. Diese Schicht ist semipermeabel, keim- und wasserdicht.
  • Hydrokolloide werden in verschiedenen Formen verkauft. Insbesondere können Auflagen genutzt werden, die bereits an die anatomischen Gegebenheiten etwa der Sakralgegend oder der Fersen angepasst sind.

In der Allgemeinheit ist der Hydrokolloidverband auch als Blasenpflaster bekannt. Denn die meisten Blasenpflaster beinhalten ebenfalls das Hydrokolloid-System.

Funktion des HCV

  • Feuchthalten der Wunde
  • Förderung der Granulation und Epithelisierung
  • Schutz vor Kontamination von Außen
  • bildet bei Kontakt mit Exsudat ein, an Eiter erinnerndes Gel und breitet sich in der Wunde aus. Das Gel nimmt dabei eine gelbliche, grünliche oder bräunliche Färbung und einen unangenehmen Geruch an. Es legt sich auf die Wunde, ohne damit zu verkleben. Überschüssiges Wundexsudat wird ebenso wie Zelltrümmer und Keime aufgenommen und eingeschlossen
  • Je mehr die Gelschicht expandiert, um so geringer wird die Klebekraft der Wundauflage. Daher kann der spätere Verbandswechsel atraumatisch und schmerzarm erfolgen. Allerdings bleibt dann eine Gelschicht zurück, die entfernt werden muss.

Einsatz des Hydrokolloidverbandes

Ein HCV kann bei oberflächigen, leicht bis mäßig exsudierende Wunden verwendet werden, sowie bei Verbrennungen zweiten Grades und Spalthautentnahmestellen. Hydrokolloide können auch als Sekundärverband genutzt werden.

Hinweise zur Verwendung

  • Um eine optimale Haftung zu erzielen, ist es empfehlenswert, die Wundauflage körperwarm anzumodellieren, indem diese nach dem Aufbringen mit der Hand erwärmt werden. Da erst bei der Wärme der enthaltende Polyacrylatkleber seine optimale Hafteigenschaft entwickelt.
  • Ein HCV sollte großflächig (mind. 2 – 3cm) überlappend aufgebracht werden auf Grund der Blasenbildung. Das gebildete Gel ist unter der Wundauflage als Blase sichtbar, die sich zunehmend ausdehnt. Überschreitet die Blase den Umfang der Wunde ist ein Verbandswechsel von Notwendigkeit.
  • Der Verbandswechselintervall richtet sich nach der Exsudatmenge, der Verband kann bis zu 7 Tage auf der Wunde belassen werden.
  • Einige Präparate haben einen abgeflachten Rand oder einen Fixierrand aus Klebeflies bzw. Transparentfolie um eine noch bessere Haftung zu ermöglichen
  • Mit der Wundauflage kann geduscht werden
  • Einige Hersteller bieten auch die Wundauflage in der „thin“ – Variante an

Kontraindikation / Cave!

  • bei klinisch infizierten Wunden nicht verwenden
  • nicht bei freiliegenden Knochen, Muskeln, Sehnen und zur Versorgung von Tumorwunden (das Wachstum der entarteten Zellen kann sich um bis zu 20 Prozent beschleunigen!)
  • kontraindiziert bei allen Geschwüren, die durch chronische Infektionen verursacht werden, also etwa durch Tuberkulose, Syphilis, AIDS oder tief gehende Pilzinfektionen
  • nicht bei Pergamenthaut verwenden (Gefahr der Traumatisierung der Umgebungshaut und der Wunde!)
  • Durch das feucht-warme Milieu unter dem Hydrokolloidverband kann es zu einem Anwachsen des Granulationsgewebes (Hypergranulation) führen. Oft verflacht diese beim Einsetzen der Epithelisierung durch Kontraktion.

Einige Produktbeispiele

  • Comfeel® von Coloplast
  • Hydrocoll® von Hartmann
  • Suprasorb® H von Lohmann und Rauscher
  • Varihesive® von ConvaTec
  • Algoplaque® von Urgo
  • Replicare® von Smith & Nephew
Quellen:

- "Moderne Wundversorgung", 7. Auflage von Kerstin Protz
- "100 neue Fragen zur Wundbehandlung" von Susanne Danzer und Anke Bültemann
- http://ww.pqsg.de

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