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22. April 2016 Thema:

Wunddistanzgitter

Verbandsstoffkunde: Wunddistanzgitter

Wunddistanzgitter gehören zur traditionellen Wundversorgung, mittlerweile sind am Markt „moderne Distanzgitter“ zu erhalten. Es gibt unterschiedliche Formen dieser traditionellen Wundauflage: Wund- bzw. Fettgaze, Silikonbeschichtete, mit Silber und ohne Silber, mit Hydrokolloidpartikeln und hydroaktive Salbenkompressen.

Ein Wunddistanzgitter benötigt immer einen Sekundärverband, bsp. einer sterilen Kompresse

 

Beschichtete Wund- / Fettgaze

Diese Wunddistanzgitter haben ein grobmaschiges Netz, welches je nach Produkt aus natürlichen oder Kunstfasern besteht, mit aufgetragener hydrophober Salbe. Dies soll ein Verkleben mit der Wunde verhindern, sprich ein atraumatischer Verbandswechsel. Die Wund- / Fettgaze gewährleisten ebenfalls einen ungehinderten Exsudatabfluss. Es gibt diese Wundauflagen aus unterschiedlichen Geweben und mit verschiedenen Beschichtungen, z.B. Wollwachs, Paraffin, Glycerin.

  • Anwendung: oberflächige Schürf- und Risswunden, Verbrennungen, Meshgraft-Plastiken, exulzerierende Tumorwunden

Cave!

  • Fetthaltige Salben können die Poren der haut verkleben, den Gasaustausch behindern und zu Mazeration der Umgebungshaut führen
  • Risiko Wundinfektion, wenn Produkte doppelt gelegt werden, dadurch Gefahr der feuchten Kammer (Okklusiveffekt -> Exsudatstau)
  • Ein täglicher Verbandswechsel ist bei grobmaschig beschichteten Produkten mit Paraffin oder Wollwachs notwendig, da der „Fettanteil“ austrocknet und folglich mit der Wunde verklebt. Dadurch ist kein atraumatischer Verbandwechsel gegeben.

Produktbeispiele

Oleotüll®, Jelonet®, Atrauman® und Atrauman® AG, Lomatuell® H

 

Moderne (hydroaktive) Wunddistanzgitter

Die hydroaktiven Distanzgitter bestehen aus Lipokolloid, Silikon oder aus anderen synthetischen Materialien. Dadurch wird ein Verkleben mit der Wunde verhindert und können auch über längere Zeit (bis zu sieben Tage – je nach Herstellerangaben) auf der Wunde verbleiben. Es wird ebenfalls auf eine alleinige Beschichtung mit fetthaltigen Substanzen verzichtet und haben ein feinporiges „Gitternetz“.

  • Anwendung: oberflächigen Riss- und Schürfwunden, bei Hautproblemen (Pergamenthaut), exulzerierende Tumore, Meshgraft-Plastiken, Verbrennungswunden und in Kombination bei der Unterdrucktherapie.

Produktbeispiele

  • Vaseline und Hydrokolloidpartikeln, wandelt sich im Kontakt mit dem Wundgrund in eine gelartige Substanz um -> kein Verkleben mit der Wunde. Beispiele:  UrgoTül® / Silver, Physiotulle® / AG, Lomatüll® Pro
  • Hydroaktive Salbenkompresse, besteht aus Polyamidträgermaterial, welches mit einer wirkstofffreien, hydroaktiven Salbenmasse auf Triglycerid-Basis imprägniert ist. Bei Kontakt mit Exsudat bildet die Salbenmasse ein Gel, dadurch wird die Wunde feucht gehalten und ein Austrocknen / Verkleben verhindert. Beispiel: Hydrotüll®
  • Silikonbeschichtete, elastische Netze, verkleben nicht mit dem Wundgrund. Beispiele: Mepitel® / One, Adaptic Touch™, Askina® SilNet, ROGG Silikon ES, sorbion® plus (mikroperforierte Folie aus Polyethylen), 3M™Tegaderm Contact® (mikroporöse Polyamidgewebe, bei Kontakt mit Exsudat wird dieses durchsichtig -> adäquate Wundkontrolle!)

 

Fazit / Diskussion

Die modernen Wunddistanzgitter stellen eine Weiterentwicklung und somit eine Alternative zu den fettbeschichteten Wundgazen her. Da auch der Verbandsechselintervall nicht wie bei den traditionellen Fettgazen täglich durchgeführt werden muss, sind die modernen Distanzgitter unter anderem auch kostengünstiger. Ebenfalls ist ein atraumatischer Verbandswechsel gegeben, folglich auch deutlich weniger Schmerzen.

 

Quellen:

- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage, Kerstin Protz
- 100 neue Fragen zur Wundbehandlung, Susanne Danzer und Anke Bültemann
- http://www.werner-sellmer.de/Downloads/Handout/Handout%20Version%2001.08.2013.pdf

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