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8. Juli 2016 Thema:

Alternativen zu Silber

Verbandsstoffkunde: Antimikrobiell wirkende Auflagen / Alternativen zu silberhaltigen Produkten

Eine antimikrobiell wirkende Substanz ist ein Stoff, der die Vermehrungsfähigkeit oder Infektiosität von Mikroorganismen reduziert oder abtötet bzw. inaktiviert.

Mittlerweile bietet fast jeder Hersteller ein silberhaltiges Produkt an, welche in unterschiedlichen Formen hergestellt und angewendet werden. Silber zählt zu den ältesten Edelmetallen und die Industrie entwickelt immer weitere Produkte um gegen (mögliche) Keime antibakteriell vorzugehen. Silberhaltige Präparate sind nicht nur in medizinischen Produkten (Wundauflagen) erhältlich, sondern auch in Kosmetika, Bekleidung, etc.

Als elementares Silber (Silberionen), als Silbersalz oder als nanokristallines Silber hemmt das Edelmetall die Funktion der Bakterienenzyme und greift in die Strukturproteine der Keime ein. Dadurch wird die Zellteilung der Bakterien gestört und die weitere Keimvermehrung unterbunden.

Allerdings werden nun Alternativen gegenüber Silber in der Wundversorgung angeboten, da silberhaltige Produkte oftmals zu lange bzw. inadäquat (bsp. bei einer nicht infizierten / kritisch kolonisierten Wunde bzw. keine Hinweise auf eine starke Keimbelastung) angewendet werden. Infolgedessen wächst der Produktsektor mit PHMB (Polihexamethylenbiguanid = Polihexanid) aktuell stetig an. Desweiteren sind Hydrophobe Faser Produkte schon seit einiger Zeit erhältlich. Ebenfalls werden Produkte mit medizinischem Honig angeboten. Die Anwendung und die Wirksamkeit von diesem wird kontrovers diskutiert. Außerdem gibt es inzwischen auch Wundauflagen mit Carbon.

Hydrophobe Faser

Die Wirkung der hydrophoben Faser beruht auf einem physikalischen Prinzip, bei dem Keime auf Grund von hydrophoben Wechselwirkungen an die Faser gebunden werden. Die hydrophobe Substanz ist Dialkylcarbamoylchlorid (DACC). Die wirkstofffreie Wundauflage hat eine grüne Farbe und ist als Tupfer, Kompresse, Gelkompresse, Tamponade, Polyurethanschaum mit Superabsorber, Saugkompresse und als hydroaktive Wundauflage mit hochabsorbierender Hydropolymermatrix für das Exsudatmanagement erhältlich.

Wirkungsweise

Durch die hydrophobe (wasserabweisende) Eigenschaft dieser wirkstofffreien Wundauflage werden die ebenfalls hydrophoben Wundbakterien (z.B. Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, MRSA) und Pilze an den unlöslich aufgedampften Wirkstoff DACC gebunden.

Die Bakterien werden dabei zwar nicht abgetötet, aber mit jedem Verbandswechsel aus der Wunde entfernt. So reduzieren sich nach und nach die Menge der Keime. Es ist keine Resistenzentwicklung und keine Zytotoxizität vorhanden. Abhängig von der gewählten Auflage ist eine Sekundärabdeckung erforderlich.

Indikation

  • bei infizierten, kritisch kolonisierten und infektionsgefährdeten Wunden
  • bei allen chronischen Wunden
  • postoperativen Wundheilungsstörungen
  • traumatischen Wunden
  • Exzisionswunden (z.B. Abszesse)
  • Tumorwunden

Hinweis

  • Darf nicht zusammen mit Salben, Cremes oder Öle angewendet werden, da es so zu einer starken Beeinträchtigung der antimikrobiellen Wirkung kommt bzw. diese inaktiviert wird!
  • benötigen einen direkten Kontakt mit der Wunde
  • nicht zusammen mit oxidierenden Lösungen, wie Hypochlorid oder Wasserstoffperoxid verwenden und bei trockenen Wunden (gilt nur für Cutimed® Siltec Sorbact)
  • Tamponaden bei tiefen Höhlen / Fistelgängen sollten ca. 3 – 4cm herausragen

Anmerkung

Laut einer Vergleichsstudie bzw. Pilotstudie zweier Wundauflagen (hydrophober Faserverband und silberhaltige Hydrofaserwundauflage), stellte sich heraus, dass sich der hydrophobe Faserverband signifikant effizienter in der Bakterienreduktion als die silberhaltige Hydrofaserwundauflage zeigte. (s. veröffentlichter Artikel in der Zeitschrift Wund Management 2016; 10 (3), S. 136, siehe auch Originaltext auf Englisch)

Produkte (alle von BSN medical)

  • Cutimed® sorbact als Kompresse, Saugkompresse (weiße Seite nach oben!), Tamponade oder Tupfer. Sekundärverband notwendig
  • Cutimed® sorbact Gel mit Hydrogel imprägnierte Kompresse, kann neben der antimikrobiellen Wirkung auch eine Autolyse bei Nekrosen bewirken. Sekundärverband notwendig
  • Cutimed® sorbact Hydroactive B antimikrobieller, absorbierender Hydroaktivgelverband. Der Einsatz erfolgt bei geringer bis mäßiger Exsudation
  • Cutimed® Siltec Sorbact  Kombination aus Cutimed® Siltec (superabsorbierender Schaumverband mit Silikonfilm auf der Wundkontaktseite) und Cutimed® sorbact zur hohen Exsudataufnahme
  • Cutimed® Sorbion Sorbact Superabsorber bei sehr stark exsudierenden Wunden zum Exsudatmanagement und Infektionsprophylaxe bzw. bei infizierten Wunden

Auflagen mit PHMB

Polyhexanid (PHMB) ist ein Antiseptikum zur Wundbehandlung, es wird bei schlecht heilenden, chronischen Wunden, sowie bei infizierten, kritisch kolonisierten und infektionsgefährdeten Wunden eingesetzt. Polyhexanid hat ein breites Wirkungsspektrum, u. a. auch gegen den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA).  Polyhexanid schädigt und tötet Bakterien bereits in sehr geringen Konzentrationen, indem es sich an die Zellwand von Bakterien bindet. Ferner ist PHMB Bestandteil von Flächendesinfektionsreinigern, Schwimmbadreinigern und Kontaktlinsen-Reinigungsprodukten (beispielsweise in einer Konzentration von 0,0001 – 0,0002 % enthalten). In Kosmetika wird Polyhexanid in zunehmendem Maße als Konservierungsmittel eingesetzt. Durch die antimikrobielle Wirkung werden immer mehr Produkte mit PHMB entwickelt. Dennoch wird an dieser Stelle auf die ECHA Studie im Jahr 2001 hingewiesen: Das Committee for Risk Assessment der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) stuft Polyhexamethylenbiguanid (PHMB, Polihexanid) als kanzerogenen Stoff der Stufe 2 (Carc.2) ein.

  • gilt derzeit als einziges Antiseptikum mit wundheilungsfördernder Wirkung, jedoch nicht viruzid und sporozid wirksam
  • ist in-vitro außerordentlich wirksam und reduziert die relevanten Wundkeime. Wundauflagen, die PHMB freisetzen, stellen im Rahmen der Herstellerindikation eine Bereicherung der Therapie von infizierten / kritisch kolonisierten Wunden dar
  • Erhältlich mit viel oder wenig PHMB, in freisetzender oder im Verband verbleibender Form erhältlich

Hinweise

  • Nebenwirkungen, bis auf gelegentlich lokale Irritationen, sind nicht beschrieben worden
  • Selten wird über Resistenzen von Bakterien gegenüber PHMB berichtet und publiziert
  • Einige Produkte benötigen eine Sekundärabdeckung

Produktbeispiele

  • Suprasorb® P + PHMB (von Lohmann & Rauscher) Polyurethanschaumverband mit perforierter Wundkontaktschicht. Das im Schaum eingelagerte PHMB wirkt sowohl im Verband als auch in der Wunde, unter Anwendung von Kompression geeignet. Fixierung notwendig
  • Suprasorb® X + PHMB (von Lohmann & Rauscher) reguliert die Feuchtigkeit der Wunde durch die Struktur der biosynthetischen HydroBalance-Fasern, gleichzeitig mit 0,3% PHMB der sowohl im Verband, als auch an der Wundoberfläche wirkt. Sekundärabdeckung mit einem hydroaktiven Verband, ansonsten kein HydroBalance-Effekt.
  • Vulcosan®AMC (von ROGG) steriler, feuchter, gebrauchsfertiger Wundverband, getränkt mit 0,1 % PHMB Anti-Microbial-Complex. Kein Sekundärverband notwendig. Auch erhältlich als Hydrogel (ROGG® Hydrogel Plus)
  • TRIGO®PHMB (von TrigoCare®) sterile, feuchte Vlieswundauflage mit Polyhexanid, Sekundärverband notwendig.
  • Draco®Foam Infekt (von Draco) Schaumverband, erhältlich in adhesive und nonadhesive. Auch erhältlich als Hydrogel (Draco® Wundgel PHMB)

 

Quellen:

- http://www.wundzentrum-hamburg.de/fileadmin/user_upload/standards_WZ/05_2014/WZ-IN-001a_V01_Lokaltherapie_Keimreduktion.pdf
- Kompendium Wundbehandlung von Bernd v. Hallern
- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage, von Kerstin Protz
- 100 neue Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Anke Bültemann

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