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21. April 2017 Thema:

Scherkräfte

Grundwissen auf Wundwissen: Wirkung von Scherkräften

Eine eingeschränkte Aktivität (physisch und auch psychisch bedingt), Mobilitätseinschränkungen jeder Art und Ursache, Sensibilitätsstörungen, Druck erzeugende äußere Ursachen (Schienen, falsches Schuhwerk, Verbände, etc.) sind Risikofaktoren für die Entstehung eines Dekubitus. In bedeutendem Maße wirken aber auch Scherkräfte dazu bei.

Was wird unter Scherkräften verstanden?

Wenn es zu Verschiebungen zwischen der Haut und der Subkutis und / oder zwischen den einzelnen darunter liegenden Gewebeschichten kommt, spricht man von Scherkräften. Scherspannung wird auch durch Gewebeverformung durch Druck erzeugt.

 

⇒ Beispiel: Ein im Bett sitzender Patient rutscht langsam am schräggestellten Rückenteil herunter. Ein Patient wird bei einem Transfer vom Bett in den Rollstuhl über die Unterlage gezogen.

Der Körper zieht die unteren Gewebeschichten mit, die Haut und eventuell auch die oberen Gewebeschichten folgen nur verzögert nach. Es kommt akut zu Gewebe- und Gefäßschädigungen zwischen Haut und den darunter liegenden Gewebeschichten und / oder zwischen oberflächigen und tieferen Gewebeschichten. Folglich kann dies zu einer Dekubitusentstehung kommen.



Je trockener und unelastischer die Haut ist, desto mehr schädigen Scherkräfte die Haut und das Gewebe. Deshalb sind kachektische, dehydrierte und sehr alte Menschen (die Haut erfährt im fortgeschrittenen Alter einen Verlust der Elastizität und des Wassergehalts) besonders gefährdet. Aber auch eine übermäßige Feuchtigkeit (z.B. durch Ausscheidung, Neigung zum Schwitzen) erhöht die Reibung und Scherkräfte, dies wiederum führt zu Mazerationen wodurch die Haut ebenfalls anfällig wird. Auch ungeeignete Kleidung, Nachtwäsche oder zu enge Schuhe können Reibung erzeugen. Dies verursacht nicht direkt Druckschäden, ruft aber eine Scherspannung hervor.

Außer Acht gelassen werden darf auch nicht das Mikroklima

Das Mikroklima ist die Hauttemperatur und Feuchtigkeitsbedingungen an der Schnittstelle zwischen Haut und Liegefläche. Eine erhöhte Temperatur ist ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung eines Dekubitus. Eine übermäßige Hautfeuchtigkeit erhöht die Reibung und die Scherkräfte. Dies wiederum führt zu Mazerationen, wodurch die Haut noch anfälliger wird.

Maßnahmen zur Prophylaxe von Scherkräften

Geeignete Hilfsmittel einsetzen

Beim Lagern des Patienten im Bett oder beim Transfer kann auf spezielle Hilfsmittel zurückgegriffen werden:

  • Gleitmatten und -laken: Bestehen aus einem Endlosschlauch, Innenfläche ist sehr gleitfähig. Diese lassen sich gegeneinander verschieben, auch bei sehr adipösen Patienten. Das Bewegen und Drehen ist dadurch scherkräftearm. Gleitmatten und -laken sind auch für Rollstuhlfahrer erhältlich. Cave bei bei Verwendung im Rollstuhl: Diese müssen im Rollstuhl bleiben um ihre Funktion zu erfüllen. Daher ist diese Variante für dekubitusgefährdete Patienten ungeeignet.
  • Einweg-Gleitfolien: Bestehen aus einem gleitfähigen Folienschlauch. Zur Anwendung wird ein passendes Stück mit einem Folienmesser vom Abroller geschnitten. Der Patient kann durch diese Gleitfolien scherkräftearm im Bett bewegt und gelagert werden.
  • Rollboards: Für einen scherkräftearmen Transfer eines liegenden Patienten. Das Rollboard besteht aus einem festen aber flexiblen Kern, dem Board, das in einem schlauchförmigen Überzug steckt. Beim Transfer dreht sich der Überzug um das Board
  • Rutschbretter: Besitzen eine glatte Oberfläche und eignen sich zum scherkräftearmen Umsetzen eines sitzfähigen Patienten.

Wundauflagen zur Prophylaxe

Einige Verbände verringern die Reibung, verteilen den Druck und die Scherkräfte um und minimieren die Wahrscheinlichkeit einer Überhydrierung der Haut. Eine äußere Oberfläche mit geringer Reibung, mehrere Lagen, eine angemessene Größe, über dem Risiko-Areal mit einen Spielraum darüber hinaus, sowie die Möglichkeit, überschüssige Hautfeuchtigkeit abzuleiten, sind Verbandeigenschaften, die mit einer Reduzierung der äußeren Faktoren assoziiert werden.

  • Transparente Folie: Kostengünstig, die darunter liegende Haut kann jederzeit inspiziert werden. Laut einer Studie an einem Tiermodell wurde festgestellt, dass eine Transparente Folie eine größere Verminderung von Scherkäften und Reibung bewirkten als andere Wundauflagen.
  • Hydrokolloid Verband: Die Außenfläche hat einen niedrigen Reibungskoeffizienten. Die Scherkräfte können vor allem an Körperstellen mit hoher Anfälligkeit für Schäden durch Scherkräfte, wie z.B. der Ferse, minimiert werden. Zudem wird die Inzidenz von persistierenden Erythemen über dem Trochanter Major reduziert.¹
  • Silikonbeschichteter Schaumverband: In einer neueren Studie war das Anlegen eines Weichsilikonverbandes am Sakrum bei Hochrisikopatienten in der Intensivpflege mit einem Rückgang der Inzidenz von sakralen Dekubitusgeschwüren auf Null verbunden. ² Hydropolymere sind hierbei ungeeignet, da diese sich lösen.

Die Verwendung von Wundauflagen zur Prophylaxe ersetzt nicht die Standardmaßnahmen zur Dekubituspropyhlaxe! Diese dienen als Ergänzung vorhandener Maßnahmen!

Interessante Links:

https://vffp.de/images/abstracts/2017/2017_04_01/2017_04_01_A_Probst.pdf

http://www.kci-medical.de/cs/BlobServer?blobcol=urldata&blobtable=MungoBlobs&blobkey=id&blobwhere=1226658419767&blobheader=application%2Fpdf

http://pup.molnlycke.com/globalassets/documentlibrary/wuwhs_pup_consensus_report_german_web.pdf

http://www.molnlycke.de/wissensdatenbank/dekubitus-vorbeugen/praventionsstrategien/

 

 

 

Quellen:

Dekubitus - Prophylaxe und Therapie, von Susanne Danzer und Ulrich Kamphausen
https://vffp.de/images/abstracts/2017/2017_04_01/2017_04_01_A_Probst.pdf

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