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3. Oktober 2016 Thema:

Honig Wundauflagen

Verbandsstoffkunde: Honig Wundauflagen

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Honig ist als Heilmittel schon lange bekannt. Die erste systematische Studie über dessen antibakterielle Wirkung erschien bereits 1882. Eingesetzt haben ihn aber schon ägyptische Pharaonen, die Ärzte im antiken Griechenland und im alten China. Hippokrates und Paracelsus, die großen Mediziner, verwendeten Honig in vielen Rezepturen.

Manuka-Honig als Basis fürs Medizinprodukt

Je nach Sorte unterscheidet sich die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe deutlich – folglich auch deren medizinische Wirksamkeit. Wichtiger Lieferant für Heilzwecke ist der neuseeländische Manuka-Honig. Seine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung soll die anderen Sorten übertreffen. Damit aus dem Naturprodukt medizinischer Honig wird, erhält es eine Behandlung mit Gamma-Strahlen. Deren Radioaktivität macht es steril und haltbar. So entsteht ein Medizinprodukt mit Zulassung für die Wundbehandlung.

Manuka-Honig enthält als wesentlichen Inhaltsstoff neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das nicht-peroxidisch antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton. Im Nektar selbst ist noch kein Methylglyoxal vorhanden. Offenbar entwickelt sich dieser Stoff erst nach der Aufnahme des Nektars durch die Bienen und den Transport in den Bienenstock.

Wie wirkt medizinischer Honig antibakteriell?

Zunächst ging man davon aus, dass allein die hohe Zuckerkonzentration für die keimtötende Eigenschaften verantwortlich ist. Es wurde vermutet, dass dadurch den Bakterien die Feuchtigkeit entzogen würde. Die negativen Ergebnisse von Versuchen mit einer entsprechend hohen Zuckerlösung (Honig enthält ca. 80 Prozent Zucker, und 20 Prozent Wasser) zeigten, dass die antibakterielle Wirkung nicht hierauf zurückzuführen ist.

Es sind andere Eigenschaften, die verantwortlich sind für die bakterizide Wirkung des Honigs. Die Produktion von Wasserstoffperoxid gilt als eine von ihnen. Bienen versetzen ihren Honig mit dem Enzym Glucose-Oxidase. Es sorgt dafür, dass im Honig enthaltener Zucker in Wasserstoffperoxid umgewandelt wird, grundsätzlich ein hochwirksames Antiseptikum. Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt.

Der enorm hohe Zuckeranteil entzieht dem geschädigten Gewebe Lymphe und Blutplasma, was einen tiefenreinigenden Effekt in der Wunde selbst bewirkt und zugleich ödematöse Schwellungen reduziert. Dabei erschwert die nach außen abfließende Flüssigkeit Keimen auch mechanisch das weitere Eindringen in tiefere Hautschichten. Zusätzlich ermöglicht der Flüssigkeitsentzug aus der Wunde ein besseres Abstoßen von Nekrosen. Die Wunde trocknet nicht aus, wodurch Verklebungen mit Verbandsmaterialien vermieden werden, was einen schmerzlosen Verbandswechsel ohne zusätzliche Traumatisierung der Wunde möglich macht.

Während der hohe Zuckergehalt die Wunde sauber und feucht hält, bewirken weitere Inhaltsstoffe durch Hemmung von Entzündungsreaktionen Schmerzminderung und ein Abschwellen des Wundareals. Die Blutversorgung im Wundgebiet wird angeregt und dadurch die Sauerstoffversorgung im Bereich der Wunde verbessert, der Abtransport von Schlackstoffen und die Heilung werden forciert.

In antibakteriell wirksamer Apothekenform eingesetzt ist es allerdings zelltoxisch, weil größere Mengen davon nötig sind. Es tötet also nicht nur Bakterien, sondern auch das Gewebe, in dem sie sich eingenistet haben.

Produktbeispiele

  • Medihoney™: In Tubenform zum Auftragen in die Wunde, auch als Schutzcreme für den Wundrand erhältlich
  • MelMax® mit einer Mischung aus Buchweizenhonig und MMP-regulierenden Metallionen imprägniert, Principelle IF Weiterentwicklung von MelMax®, Principelle Matrix mit pro-ionic® ist eine teilweise hydratisierte Superabsorber-Copolymer Wundauflage (von der FA Principelle) 

Evidenzlage

Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass sich aufgrund der Unterschiede in den Wundarten und Vergleichsbehandlungen keine allgemeinen Schlussfolgerungen über die Wirkung von Honig auf die Wundheilung ziehen lassen. Die Evidenz für die meisten Vergleiche sei von niedriger oder sehr niedriger Qualität. Allerdings bestehe Evidenz hoher Qualität dafür, dass Teilschichtverbrennungen mit Honig etwa vier bis fünf Tage schneller heilen als mit konventionellen Verbänden. Es bestehe Evidenz moderater Qualität dafür, dass Honig wirksamer zur Wundheilung von infizierten Wunden nach chirurgischen Eingriffen ist, als Antiseptika mit anschließendem Mullverband. Unklar sei, ob die Behandlung mit Honig bei Verbrennungen, gemischten akuten und chronischen Wunden,  besser oder schlechter als andere Behandlungen ist, da die bestehende Evidenz meist von niedriger oder sehr niedriger Qualität sei.

Heuer et al. befürworteten 2011 die Anwendung von Manuka-Honig nur auf nicht-chronischen Wunden, wie sie zum Beispiel infolge einer Verletzung, eines chirurgischen Eingriffs oder nach Strahlentherapie vorkommen. Zum Bewertungszeitpunkt lagen nur wenige tierexperimentelle oder klinische Studien über diese Variante der feuchten Wundbehandlung vor.

Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. rät in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung ab. Das Hauptproblem in der Behandlung mit Manuka-Honig sei die Schmerzentwicklung, die auf das Methylglyoxal zurückgeführt werden kann.

Laut geltendem med. Recht darf kein „normaler“ Honig (auch keine Bioprodukte) für die Wundversorgung verwendet werden.
Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel dürfen gesetzlich nicht für medizinische Zwecke eingesetzt werden.
Medizinischer Honig für die Wundversorgung muss spezielle Kriterien bzgl. Reinheit, Wirkung, biologische Sicherheit etc. erfüllen und wird, wie auch andere moderne Wundversorgungsmittel, auf diese Parameter streng überprüft.
Außerdem muss er sterilisiert sein. Erst wenn all die geforderten Maßstäbe erfüllt sind, kann dieser für die Wundversorgung zugelassen werden, was mit dem CE-Gütesiegel manifestiert wird. Solche Produkte sind nur über die Apotheke oder den medizinischen Fachhandel zu beziehen.

 

Quellen:

- http://www.wikipedia.de
- http://www.atm.de
- Herstellerinformationen: http://www.medihoney.de/sites/mhonig.html und http://www.principelle-deutschland.de/

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