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25. September 2016 Thema:

Sauerstoffmangel

Wundwissenlexikon: Sauerstoffmangel – Auswirkung auf die Wundheilung

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Chronische Wunden entstehen in den meisten Fällen als Folge von Grunderkrankungen wie z.B. Diabetes oder Durchblutungsstörungen und somit fehlender Sauerstoffversorgung des Gewebes.

Durch eine Wunde wird die Gewebedurchblutung und die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff reduziert. Folglich wird das Wundgewebe nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt – ein Teufelskreislauf. Denn für die Wundheilung benötigen die Körperzellen besonders viel Sauerstoff, wie z.B. die Makrophagen für die Infektabwehr, die Fibroblasten für den Gewebeaufbau, die Kollagensynthese und die Epithelzellen, die den Wundverschluss gewährleisten.

Durch den O2-Mangel können die Zellen ihre Regenerationsprozesse nicht mehr in ausreichendem Maße ausführen. Vor allem die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS), welche in der ersten der drei Wundheilungsstadien, der Reinigungsphase, bei der Bekämpfung von Fremdkörpern und Krankheitserregern eine bedeutende Rolle zukommt, kann nicht in ausreichendem Maß erfolgen. Die aeroben Keime verbrauchen den restlichen Sauerstoff in der Wunde. Bilden sich dann Nekrosen, so besteht zudem die Gefahr der raschen Vermehrung anaerober Bakterien.

 Der Sauerstoffpartialdruck (pO2)

Als Maß für den Sauerstoffanteil im Gewebe gilt der Sauerstoffpartialdruck (pO2). Der arterielle pO2 liegt normalerweise, je nach Alter zwischen 75 und 100 mmHg. Ein altersbedingter Abfall des O2-Partialdrucks ist auch unter 70 mmHg möglich. Am Wundrand findet man Werte zwischen 40 und 60 mmHg und im Zentrum einer Wunde in der Regel nur noch Werte unter 10 mmHg. Die Fibroblasten sind von einem Sauerstoffpartialdruck von mindestens 15 mmHg abhängig. Demzufolge haben Erkrankungen, die eine verminderte Blut- und damit Sauerstoffzufuhr bedingen, eine negative Auswirkung auf die Wundheilung!

Möglichkeiten der Wunde Sauerstoff zuzuführen

Hämoglobin Spray (Granulox®)

Das Hämoglobin-Spray Granulox® ist das erste Verbandmittel, das die Sauerstoffproblematik löst – und somit die Wundheilung beschleunigt: Als Spray aufgetragen verteilt es sich sofort und bedeckt die Wunde gleichmäßig. Umgehend beginnt das Hämoglobin Sauerstoff aus der Umgebungsluft in den Wundgrund zu transportieren. Die Wirkung des „Sauerstoff-Transporters“ hält bis zu 72 Stunden an und ist effektiv: Rechnerisch wird pro Gramm Hämoglobin bis zu 1 Liter Sauerstoff pro Tag transportiert.

Das Produkt besteht aus 10% carbonyliertem Hämoglobin, 0,7% Phenoxyethanol, 0,9% Natriumchlorid, 0,05% N-Acetylstein ad 100% Wasser. Das Spray wird auf die Wunde aufgesprüht, eine Sekundärabdeckung ist jedoch erforderlich. Die Verweildauer beträgt bis zu drei Tage. 

Granulox® kann bei bsp. Ulcus cruris, Dekubitus, diabetischen Fußsyndrom und sekundärheilenden Operationswunden eingesetzt werden. Granulox® ist offiziell als Verbandsmittel zugelassen und ist somit erstattungsfähig (gem. § 31 Abs. 1 SGB V; Medizinprodukt der Klasse III). Es kann wie andere Wundauflagen von Ihrem Arzt verordnet werden und wird von der Krankenkasse bezahlt.

Wie eine Studie der Dermatologischen Klinik der Prager Karls-Universität zeigt, konnte das Hämoglobin-Spray Granulox signifikante Behandlungserfolge erzielen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3252654/

CAVE! Das Produkt muss im Kühlschrank bei 2°C bis 8°C gelagert werden.

Druckmanschette (bsp. O2-TopiCare®-System)

Die Manschette verfügt über ein Druckregulierungsventil, Zuspritzventil und einen Adapter für den Anschluss eines Druckmessgerätes. Bei der Verwendung der Manschette wird die erkrankte Hautstelle am Fuß, Unterschenkel oder Arm durch einen konstanten, einstellbaren Druck mit reinem Sauerstoff behandelt. Durch einen Zuführungsschlauch wird eine Sauerstoffquelle, wie z.B. ein Sauerstoffkonzentrator, an die Manschette angeschlossen, welcher einen bis zu 96% reinen Sauerstoff in die Druckkammer befördert, bis ein Druck von max. 50 mbar erreicht wird. Dieser Druck führt dazu, dass sich der Sauerstoffpartialdruck im Wundgewebe erhöht und dadurch die Prozesse der Wundheilung schneller und effektiver ablaufen können. Fries konnte im Jahr 2005 die Diffusion von O2 bei einem höheren Druck (22 mmHg) bestätigen

Außerdem besteht die Möglichkeit mit einer Befeuchtung, die zugeführte Luft zu befeuchten. Dies ist hilfreich für eine schnelle Bildung von neuem Gewebe. Bei der Wundmanschette wird z.B. das Bein samt der mitgelieferten Beinstütze aus Schaumstoff in die Manschette „hineingesteckt“. Die Befestigung/Abdichtung der Manschette am Bein erfolgt über ein gelbes Latexband, welches mittels einer Klammer mit angebrachtem Klettverschluss um das Bein herum fixiert wird. Um den venösen Rückfluss des Blutes anzuregen, kann an der Beinmanschette ein A-V Impulse System angeschlossen werden. Dabei wird eine natürliche Gehbewegung durch eine A-V-Fußmanschette simuliert. Dies bewirkt die zusätzliche Förderung der Blutzirkulation.

Da diese Manschette ein Hilfsmittel ist, kann ein Antrag an die Krankenkasse zwecks Kostenübernahme gestellt werden.

Interessanter Link hierzu: http://www.oxycare-gmbh.de/literatur-sauerstofftherapie/studien-fachliteratur/wund-gef%C3%A4%C3%9Ftherapie.html

Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)

Die Hyperbare Sauerstofftherapie, abgekürzt HBO für Hyperbaric Oxygenation, ist eine Behandlungsform, bei der Patienten unter Überdruckbedingungen medizinisch reinen Sauerstoff einatmen. Um einen therapeutischen Effekt zu erzielen, wird der Druck auf das 1,5- bis 3-fache des Normaldrucks erhöht. Dann wird über eine Atemmaske das „Medikament Sauerstoff“ (100% O2) geatmet. Der eingeatmete Sauerstoff wird über die Lunge an das Blut weitergegeben. Durch den erhöhten Druck wird zusätzlich erheblich mehr Sauerstoff physikalisch in der Blutflüssigkeit gelöst. Der Sauerstoffdruck steigt dadurch bis zum 20-fachen des normalen Wertes an, ähnlich wie die Kohlensäure in der Sprudelflasche. Insbesondere schlecht durchblutete oder entzündete Körpergewebe werden deshalb besser mit Sauerstoff versorgt. Somit können auch Körperbereiche, die wegen ihrer Lage oder wegen Vorschädigungen schlecht versorgt werden, ausreichend Sauerstoff erhalten.

Die Hyperbare Sauerstofftherapie entfaltet ihre Wirkung selbst im Innersten des Körpers. Denn nur durch hyperbar eingeatmeten Sauerstoff werden mangelnde Durchblutung und Sauerstoffversorgung von Zellen und Gewebe verbessert. Die HBO ist eine effektive und wirtschaftliche Therapie bei bsp. Wundheilungsstörungen. Chronische Wunden können sich durch die Anwendung der HBO-Therapie wieder regenerieren. Bindegewebe und Blutkapillaren können neu entstehen und so zu einem Verschluss oder Verkleinerung der Wunde führen. In Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten lassen sich, je nach Zustand der Wunde, Amputationen bei diabetischen Fußsyndrom vermeiden oder begrenzen.

Kostenübernahme:

  • Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten nur in Ausnahmefällen (Einzelfallentscheidung). Hier sollte auf jeden Fall die Kostenübernahme vorab mit der Kasse geklärt werden.
  • Private Krankenkassen erstatten die Therapiekosten in der Regel. Nach neuesten Rechtsprechungen übernehmen die privaten Krankenversicherungen die Kosten der HBO dann, wenn mindestens eine qualifizierte Studie für die Anwendung der Behandlungsmethode spricht.

Mehr Informationen hierzu: https://www.hbo2.de/ueber-hbo2/ueber-hbo/

 

Quellen:

- http://www.granulox.de
- http://www.oxycare-gmbh.de
- http://www.wikipedia.de
- http://www.oxycare-gmbh.de/assets/files/TopischeWundversorgung06_2012Rev1.pdf
- http://www.hbo2.de
- "Moderne Wundversorgung", 7. Auflage von Kerstin Protz

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