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7. Oktober 2016 Thema:

Wundrandschutz

Verbandsstoffkunde: Wundrandschutz

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Der Wundrand kann sich unterschiedlich darstellen. Er kontrahiert sich bei zunehmender Wundheilung, dabei ist dieser glatt, rosafarben und zeigt erste Anzeichen des späteren Narbengewebes. Ist der Wundrand hingegen fransig, rötlich verdickt und überwärmt, kann dies auf eine bestehende Wundinfektion hinweisen. Einige mögliche Beispiele, wie ein Wundrand aussehen kann:

  • Mazeriert (aufgeweicht)
  • Ödematös (geschwollen und verdickt)
  • Gerötet (durch eine Mehrdurchblutung, z.B. Infektion)
  • Borkig (durch Ablagerungen von z.B. eingetrocknetem Exsudat)
  • Nekrotisch (livide bis schwarze Verfärbung durch Mangeldurchblutung)
  • Schuppig (trockene Hautschuppen)
  • Hyperkeratös (Verhornung, i.d.R. durch zu viel Druck und / oder Reibung)
  • Eingerollt (dreht sich leicht nach innen bei z.B. Unterminierungen oder Taschenbildung; Wundrand hat keinen Kontakt mit dem Wundgrund)
  • Unterminiert (Unterhöhlt, bei z.B. Wundheilungsstörung, Verbindungsgang unter dem bereits verheilten Anteil der Wunde zu einer anderen Wunde in der Nähe)

Es kann auch zu einer Kombination der aufgeführten Beispiele kommen, je nach Zustand und Heilungstendenz der Wunde.

Daher ist es unabdingbar in der modernen Wundversorgung auch den Wundrandschutz mit in die Wundbehandlung einzubeziehen, denn nur ein vitaler Wundrand ist für die Wundheilung gut. Ein Avitaler führt zu einer Verzögerung der Wundheilung.

Wundrandschutz in Bezug auf Mazeration

 

Mazerierte oberste Hautschicht nach langem Vollbad

 

 

Eine angepasste Hautpflege sowie b. B. der Einsatz eines Hautschutzes / Wundrandschutz ergänzen die phasengerechte moderne Wundversorgung. Angepasster Hautschutz und -pflege dienen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Hautschutzbarriere und der Vermeidung von Komplikationen. Der Wundrand und -umgebung sind gefährdet durch hohes Exsudataufkommen, Ausscheidungen wie Schweiß, Urin und / oder Stuhl. Eine Mazeration entsteht durch das Vorhandenseins von zu viel Feuchtigkeit bsp. auf Grund von schlechtem Exsudatmanagement, sprich die Auswahl des falschen Verbandsmaterials oder auch die Verwendung von (zuviel) Hydrogels. Durch die vorhandene Feuchtigkeit weicht die Hornschicht der Epidermis auf und nimmt eine weißliche, aufgequollene Form an. Mögliche Folgen einer Mazeration können sein:

  • Vergrößerung des Wundgebiets
  • erhöhte bakterielle Besiedelung der Wunde
  • verzögerte Wundheilung

Management von Wundrand und -umgebung

Zum Schutz eignen sich transparente Hautschutzfilme, die auf die Wundränder und die Wundumgebung aufgetragen werden und einen atmungsaktiven Schutzfilm bilden. Der Vorteil dadurch ist, dass die Beobachtung bzw. Beurteilung durch die Transparenz erhalten bleibt, sodass Veränderungen erkennbar sind. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass z.B. Verbandsmaterialien mit Silikonhafträndern und silikonbeschichtete Auflagen verwendet werden können, da sich noch Haftung finden, im Gegensatz zur Verwendung von abdeckenden Pasten / Cremes (s. auch nichtempfehlenswerte Hautschutzmaßnahmen).

Neben dem transparenten Hautschutzfilm, sind Silikon-Hautschutzfilme und Hautschutzcreme / Barrierecreme erhältlich.

Transparenter Hautschutzfilm

Eigenschaften:

  • wirkt bis zu 72 – 96 Std. (je nach Hersteller abweichend)
  • bildet einen dünnen, atmungsaktiven Hautschutzfilm und ist wasserdampfdurchlässig
  • transparent
  • Hypoallergen und Alkoholfrei
  • Frei von Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen

Hinweise:

  • Anwendung auf trockener, sauberer Haut
  • Nicht in Kombination mit fetthaltigen Produkten, wie z.B. Salben, Creme, Lotion, Ölen
  • Mind. 30 Sek. trocknen lassen
  • als Spray und / oder Applikatorstäbchen bzw. Tücher erhältlich
  • Auf intaktes oder bereits irritierten Hautarealen einsetzbar

Indikation / Kontraindikationen:

  • Schutz von intakter, gereizte und geschädigter Haut, v.a. Flüssigkeiten und Reizstoffen (Stuhl / Urin, Trachealsekret, Klebstoffe) und Schutz vor Reibung
  • Schutz vor Mazeration, auch bei Unterdrucktherapie
  • Schutz vor Trauma durch Entfernen von klebenden Verbände
  • Nicht bei Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffe / Bestandteile und nicht auf infizierte Haut (bsp. Mykosen) verwenden

Produktbeispiele:

  • 3M™Cavilon™: bestehend aus Acrylat-Terpolymer, erhältlich als Applikator („Lolly“) und Pumpspray von FA 3M
  • Cutimed®Protect: bestehend aus Acrylat-Copolymer, erhältlich als Applikator („Lolly“), Creme und Pumpspray von FA BSN medical
  • Askina®Barrier Film: bestehend aus Hexamethyldisiloxan, erhältlich als Pumpspray, Creme und Applikator („Lolly“) von FA B.Braun

Silikon-Hautschutzfilm

Eigenschaften:

  • erzeugt einen schützenden Silikonfilm
  • schnell trocknend
  • frei von Öl, Wasser, Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen, Hypoallergen
  • Transparent und Wasserdampfdurchlässig

Hinweise:

  • Haut muss trocken, sauber und fettfrei sein
  • muss bei jedem Verbandswechsel erneuert werden

Indikationen / Kontraindikationen:

  • Schutz vor: Hauttraumata durch Entfernen von Haft-/ Kleberändern, Mazeration, Brennen und Reizung der Haut durch Klebstoffe, Hautirritationen durch Körperflüssigkeiten und Reizstoffe
  • Nicht verwenden bei Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffe / Bestandteile

Produktbeispiele:

  • BRAVA™Hautschutz von Coloplast, erhältlich als Spray und Tücher, sowie als Schutzcreme
  • Silesse™Reizfreier Hautschutz von ConvaTec erhältlich als Tücher und Spray

Hautschutzcreme / Barrierecreme

Eigenschaften:

  • bildet einen atmungsaktiven Hautschutzfilm
  • Hautpflegend und feuchtigkeitsspendend
  • Erhält die natürliche Barrierefunktion der Haut, nicht fettend
  • Unterstützt die Regeneration vorgeschädigter Haut
  • bestehend aus Hautschutzkomponenten (z.B. Acrylat-Terpolymer, Acrylat-Copolymer) und hautpflegenden Inhaltsstoffen

Hinweise:

  • Je nach Produkt 12 – 24 Std. wirksam
  • auf trockene, saubere Haut auftragen, sanft einmassieren
  • kann auf bereits gereizter Haut angewendet werden
  • Creme gleichmäßig verteilen, sodass ein geschlossener Schutzfilm entsteht
  • Sparsam auftragen, zur Ausbildung des Hautschutzfilms Creme ca. 45 – 60 Sek. trocknen lassen
  • 1x tgl. bzw. nach 3-maligem Waschen neu auftragen

Indikation / Kontraindikation:

  • Prophylaxe gegen Mazeration und Hautreizungen
  • Schutz der Haut gegen reizende Körperflüssigkeiten, auch Exsudat
  • Nicht verwenden bei Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffe / Bestandteile

Produktbeispiele:

  • 3M™Cavilon™ Langzeit-Haut-Schutz-Creme von FA 3M
  • Cutimed®PROTECT Creme von FA BSN medical
  • Coryt Protect und Coryt Protect Sensitiv von FA Coryt
  • BRAVA™ Schutzcreme von FA Coloplast
  • ZCR®ZincCream von dline

Interessanter Link:

http://www.dline.ch/uploads/media/ZincCream-vs-PU-Film_Wundumgebung_2015_PROVITA.pdf

Nicht empfehlenswerte Hautschutzmaßnahmen / Wundrandschutz

  • Zusatzstoffe, da diese oft ein allergisches Potenzial haben
  • Alkohollösungen, wie Franzbranntwein, da diese die Haut reizen und austrocknen
  • Abdichtende Pasten, lassen keine Hautbeobachtungen zu
  • Fette und Öle, behindern durch Verkleben der Poren den Gasaustausch, folglich trocknet dadurch die Haut aus
  • Farbstoffe, Hautbeobachtung ist somit unmöglich und zudem die Haut gerben / austrocknen
  • Puder, rufen Hautreizungen durch Reibe- und Scherkräfte aus und trocknen die Haut aus

 

 

Quellen:

- Palliative Wundversorgung, von Susanne Danzer
- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage,  von Kerstin Protz
- 100 neue Fragen zur Wundbehandlung, von Susanne Danzer und Anke Bültemann

 

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