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Verbandstoffkunde: Wundrandschutz

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Der Wundrand kann sich unterschiedlich darstellen. Er kontrahiert sich bei zunehmender Wundheilung, dabei ist dieser im Normalfall glatt, rosafarben und zeigt erste Anzeichen des späteren Narbengewebes. Ein Hinweis auf eine bestehende Wundinfektion hingegen ist ein fransiger, rötlich verdickter und überwärmter Wundrand.

Einige mögliche Beispiele, wie ein Wundrand aussehen kann:

  • Mazeriert (aufgeweicht)
  • Ödematös (geschwollen und verdickt)
  • Gerötet (durch eine Mehrdurchblutung, z.B. Infektion)
  • Borkig (durch Ablagerungen von z.B. eingetrocknetem Exsudat)
  • Nekrotisch (livide bis schwarze Verfärbung durch Mangeldurchblutung)
  • Schuppig (trockene Hautschuppen)
  • Hyperkeratös (Verhornung, i.d.R. durch zu viel Druck und / oder Reibung)
  • Eingerollt (dreht sich etwas nach innen bei z.B. Unterminierungen oder Taschenbildung; Wundrand hat keinen Kontakt mit dem Wundgrund)
  • Unterminiert (Unterhöhlt, bei z.B. Wundheilungsstörung, Verbindungsgang unter dem bereits verheilten Anteil der Wunde zu einer anderen Wunde in der Nähe)
  • zerklüftet (keine klare Abgrenzung der Wunde)
  • glatt (vitaler Wundrand)
  • avital (keine Heilungstendenzen) [1]

Eine Kombination aus den oben aufgeführten Beispielen sind möglich, je nach Zustand und Heilungstendenz der Wunde.

Daher ist es unabdingbar in der modernen Wundversorgung auch den Wundrandschutz mit in die Wundbehandlung einzubeziehen, denn nur ein vitaler Wundrand ist für die Wundheilung gut.

Wundrandschutz in Bezug auf Mazeration

Mazerierte oberste Hautschicht nach langem Vollbad

Eine angepasste Hautpflege sowie b. B. der Einsatz eines Hautschutzes / Wundrandschutz ergänzen die phasengerechte Wundversorgung. Ein passender Hautschutz und -pflege dienen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Hautschutzbarriere und der Vermeidung von Komplikationen. Der Wundrand und -umgebung sind gefährdet durch hohes Exsudataufkommen, Ausscheidungen wie Schweiß, Urin und / oder Stuhl. Eine Mazeration entsteht durch das Vorhandenseins von zu viel Feuchtigkeit bsp. auf Grund von schlechtem Exsudatmanagement, sprich die Auswahl des falschen Verbandsmaterials oder auch die Verwendung von (zuviel) Hydrogels. Durch die vorhandene Feuchtigkeit weicht die Hornschicht der Epidermis auf und nimmt eine weißliche, aufgequollene Form an. Mögliche Folgen einer Mazeration können sein:

  • Vergrößerung des Wundgebiets
  • erhöhte bakterielle Besiedelung der Wunde
  • verzögerte Wundheilung[1]

Management von Wundrand und -umgebung

Für den Wundrandschutz eignen sich transparente Hautschutzfilme, Silikon-Hautschutzfilme und Hautschutzcremes / Barrierecremes. Diese werden auf die Wundränder und die Wundumgebung dünn aufgetragen und bilden einen atmungsatkiven Schutzfilm.

Transparenter Hautschutzfilm

Eigenschaften:

  • wirkt bis zu 72 – 96 Std. (je nach Hersteller abweichend)
  • bildet einen dünnen, atmungsaktiven Hautschutzfilm und ist wasserdampfdurchlässig
  • transparent
  • Hypoallergen und Alkoholfrei
  • Frei von Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen

Hinweise:

  • Anwendung auf trockener und gereinigter Haut
  • Nicht in Kombination mit fetthaltigen Produkten, wie z.B. Salben, Creme, Lotion, Ölen
  • Mind. 30 Sek. trocknen lassen
  • in verschiedenen Varianten erhältlich (z.B. Spray, Applikatorstäbchen, Tücher)
  • Auf intaktes oder bereits irritierten Hautarealen schmerzfrei einsetzbar

Indikation / Kontraindikationen:

  • Schutz von intakter, gereizte und geschädigter Haut, v.a. Flüssigkeiten / Exsudat und Reizstoffen (Stuhl / Urin, Trachealsekret, Klebstoffe) und Schutz vor Reibung
  • Schutz vor Mazeration, auch bei Unterdrucktherapie
  • Schutz vor Trauma durch Entfernen von klebenden Verbände
  • Nicht bei Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffe / Bestandteile und nicht auf infizierte Haut (bsp. Mykosen) verwenden[2]

Produktbeispiele:

  • 3M™Cavilon™: bestehend aus Acrylat-Terpolymer, erhältlich als Applikatorstäbchen („Lolly“) und Pumpspray von FA 3M
  • Cutimed®Protect: bestehend aus Acrylat-Copolymer, erhältlich als Applikatorstäbchen („Lolly“), Creme und Pumpspray von FA BSN medical
  • Askina®Barrier Film: bestehend aus Hexamethyldisiloxan, erhältlich als Pumpspray, Creme und Applikatorstäbchen („Lolly“) von FA B.Braun

Silikon-Hautschutzfilm

Eigenschaften:

  • erzeugt einen schützenden, transparenten und wasserdampfdurchlässigen Silikonfilm
  • schnell trocknend
  • frei von Öl, Wasser, Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen, Hypoallergen

Hinweise:

  • bei der Verwendung muss die Haut trocken, sauber und fettfrei sein
  • Anwendung bei jedem Verbandswechsel notwendig

Indikationen / Kontraindikationen:

  • Schutz vor: Traumatisierung der Haut durch Entfernen von Haft-/ Kleberändern, Mazeration, Brennen und Reizung der Haut durch Klebstoffe, Hautirritationen durch Körperflüssigkeiten (Urin / Stuhl, Schweiß) und Reizstoffe
  • Nicht verwenden bei Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffe / Bestandteile[2]

Produktbeispiele:

  • BRAVA™Hautschutz von Coloplast, erhältlich als Spray und Tücher, sowie als Schutzcreme
  • Silesse™Reizfreier Hautschutz von ConvaTec erhältlich als Tücher und Spray

Hautschutzcreme / Barrierecreme

Eigenschaften:

  • bildet einen atmungsaktiven Hautschutzfilm, gleichzeitig hautpflegend und feuchtigkeitsspenden und hält die natürliche Barrierefunktion der Haut aufrecht
  • nicht fettend
  • Unterstützt die Regeneration vorgeschädigter Haut
  • bestehend aus Hautschutzkomponenten (z.B. Acrylat-Terpolymer, Acrylat-Copolymer) und hautpflegenden Inhaltsstoffen (s. jeweilige Herstellerangaben)

Hinweise:

  • Je nach Produkt 12 – 24 Std. wirksam
  • auf trockene, saubere Haut auftragen, sanft einmassieren
  • kann auf bereits gereizter Haut angewendet werden
  • Sparsam auftragen, zur Ausbildung des Hautschutzfilms Creme ca. 45 – 60 Sek. trocknen lassen (Cave: Viel hilft nicht viel!)
  • 1x tgl. bzw. nach 3-maligem Waschen neu auftragen (s. auch jeweilige Herstellerangaben)

Indikation / Kontraindikation:

  • Prophylaxe gegen Mazeration und Hautreizungen
  • Schutz der Haut gegen reizende Körperflüssigkeiten (Urin / Stuhl, Schweiß), auch Exsudat
  • Nicht verwenden bei Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffe / Bestandteile[2]

Produktbeispiele:

  • 3M™Cavilon™ Langzeit-Haut-Schutz-Creme von FA 3M
  • Cutimed®PROTECT Creme von FA BSN medical
  • Coryt Protect und Coryt Protect Sensitiv von FA Coryt
  • BRAVA™ Schutzcreme von FA Coloplast
  • ZCR®ZincCream von dline

Interessanter Link:

http://www.dline.ch/uploads/media/ZincCream-vs-PU-Film_Wundumgebung_2015_PROVITA.pdf

Nicht empfehlenswerte Hautschutzmaßnahmen / Wundrandschutz

  • Zusatzstoffe (z.B. Tenside, Synthetische UV-Filter,…) wegen einem hohen Allergiepotenzial
  • Alkohol als Inhaltsstoff, reizt die Haut und trocknet diese aus (z.B. Franzbranntwein)
  • Pasten, die Hautbeobachtung ist stark erschwert, schwer entfernbar und verstopft die Poren
  • Fette und Öle, die Haut trocknet aus die Poren werden verstopft und es kann kein Gasaustausch erfolgen
  • Farbstoffe, eine adäquate Hautbeobachtung ist wegen Verfärbungen nicht möglich, kann zudem die Haut austrocknen
  • Puder, trocknet die Haut aus. Besondere Gefahr von Traumata besteht bei Einwirkung von Scherkräften[3]
Quellen:

[1] Susanne Danzer, "Palliative Wundversorgung", 1. Auflage 2016, W. Kohlhammer Verlag, S. 20 - 21
[2] Susanne Danzer, "Palliative Wundversorgung", 1. Auflage 2016, W. Kohlhammer Verlag, S. 94 - 97
[3] Kerstin Protz, "Moderne Wundversorgung", 7. Auflage 2014, Urban & Fischer Verlag, S. 61
- diverse Herstellerangaben