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2. April 2016 Thema:

Kompressionstherapie

Wundwissenlexikon: Kompressionstherapie bei Ulcus cruris venosum

Die häufigste Ursache des Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür, „offenes Bein“) ist eine chronisch venöse Insuffizienz (CVI). Nach vorangegangener Diagnostik, erfolgt die ggf. operative Therapie, die phasengerechte Wundbehandlung und die Kompressionstherapie. 

©BSN medical

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Definition

Eine sach-und fachgerechte Kompression bewirkt durch Druck auf die venösen Gefäße deren Verengung und somit eine Steigerung und Verbesserung des venösen Blutrückflusses. Ödeme werden reduziert, der venöse Rücktransport gefördert und Schlackenstoffe/Metabolite abtransportiert.

Indikationen

  1. Therapie

  • Chronisch venöse Insuffizienz Grad 1-3 nach Widmer

  • Postthrombotisches Syndrom (PTS)

  • Lymphödem, Varikosis

  • Thrombophlebitis, tiefe Beinvenenthrombose

  • Schwangerschaftsödeme

  • Zustand nach invasiver Therapie einer Varikose (z.B. Stripping, Verödung)

  1. Prävention

  • Erkrankungen, bei denen auch eine Thromboseprophylaxe indiziert ist

  • Stauungszustände infolge Immobilitäten (z.B. Paresen/Teilparesen der Extremität)

Kontraindikationen

  • Systemische Entzündungen, wie Erysipel, septische Phlebitis

  • Dekompensierte Herzinsuffizienz

  • Fortgeschrittene periphere arterielle Durchblutungsstörung: pAVK im Stadium III-IV nach Fontaine oder Knöchel-Arm-Druck-Index < 0,5

Relative Kontraindikationen

  • Schwere Sensibilitätsstörung der Extremität

  • Fortgeschrittene periphere Neuropathie

  • Noch kompensierte pAVK

  • Materialunverträglichkeit

Risiken/Nebenwirkungen

Nicht passende Kompressionsstrümpfe, das Fehlen einer adäquaten Unterpolsterung, sowie eine unsachgemäße Bandagierung können zu Hautschädigungen, Blasenbildung, Schnürfurchen, Nekrosen, nervalen Druckschäden auf periphere Nerven und ggf. zu einer tiefen Beinvenenthrombose oder zu Druckgeschwüren führen.

Therapie

  1. Kompressionsbandagierung

  • Kurzzugbinden: sind unelastisch, hoher Arbeitsdruck, niedriger Ruhedruck

  • Langzugbinden: niedriger Arbeitsdruck, hoher Ruhedruck, sollte als alleinige Bandagierung insbesondere bei immobilen Patienten nicht mehr zum Einsatz kommen-> starke Einschnürungen

  • Zinkleimbinden: bewirken eine schnelle Entstauung, entwickeln Kompressionsdruck durch Aushärten, fehlende Elastizität bei Ödemreduktion, ggf. Hautprobleme

  1. Fertige Binden-/Mehrkomponentensysteme

Bestehen aus mehreren Komponenten, z. B. Polster- und Kompressionsbinden, verbleiben bis zu sieben Tage, verrutschen nicht.

  1. Fertige Strumpfsysteme/Ulcusstrümpfe

Ulcusstrümpfe bestehen aus zwei Komponenten: einen Unterziehstrumpf, der den Wundverband schützt und fixiert und einem klassischen Kompressionsstrumpf, der den Druck erwirkt.

  1. Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) nach Maß

Werden in verschiedenen Kompressionsklassen ( KKL I-IV) entweder als konfektioniertes Fertigprodukt oder als Maßanfertigung angepasst, kommen zum Einsatz, wenn eine Entstauung bewirkt wurde, meist bei abgeheiltem Ulcus, sind in der Regel als Rezidivprophylaxe ein Leben lang zu tragen.

  1. Apparative Intermittierende Kompression (AIK)

Durch eine elektrische Pumpe wird in einem Ein- oder Mehrkammerluftkissen, das um das Bein angelegt wird, ein variabler Druck erzeugt. Kann vor allem bei immobilen oder bewegungseingeschränkten Patienten zum Einsatz kommen.

Grundsätzliches

  • Der Kompressionsverband erlangt seine volle Wirkung erst in Verbindung mit aktiver Bewegung!

  • Förderung der Patienten-Adhärenz d.h. nur unter Aufklärung und Einbeziehung des Patienten kann eine optimale Abheilung des Ulcus cruris venosum gelingen.

  • In der Therapiephase (initiale Entstauungsphase) ist beim floriden UCV zur Ödemreduktion und zur Unterstützung der Ulcusheilung, eine starke Kompression zu gewährleisten.

  • Der phlebologische Kompressionsverband (PKV) ist laut Studien mit einem hohen Druck anzulegen. Fertigsysteme sind daher darauf ausgelegt, einen solchen Druck entsprechend zu gewährleisten. Laut internationalem Konsens werden folgende Kompressionsdruckwerte empfohlen: leicht: < 20mmHg, mittelstark: > 20-40 mmHg, stark: > 40-60 mmHg, sehr stark: > 60 mmHg.

  • Solange ein UCV besteht, wird der Patient mit Kompressionsbandagierungen versorgt. Dies kann sowohl mit Kurzzugbinden als auch mit Mehrkomponentensystemen erfolgen.

  • Mehrkomponentensysteme sind – im Gegensatz zu Kurzzugbinden – in der Lage, den Anpressdruck über viele Stunden relativ konstant zu halten. Ihre abschließende, kohäsive Binde beugt einem raschen Lockern bzw. Verrutschen vor. Studien weisen auf die Überlegenheit dieser Systeme gegenüber den Bandagierungen mit Kurzzugbinden hin.

  • Sobald die initiale Entstauungsphase abgeschlossen ist (meist nach 3-4 Wochen), folgt die Erhaltungsphase. Nun ist ein stabiler Zustand erlangt, d.h. Ödeme sind entstaut und das Ulcus befindet sich im stabilen Heilungsprozess.

  • In dieser Phase sollte die Versorgung auf Medizinische Kompressionstrümpfe (MKS) oder fertige Ulcus-Strumpfsysteme umgestellt werden.

  • Nach Abheilung ist eine störungsfreie Erhaltungsphase zur Rezidivprophylaxe zu gewährleisten. Hierbei ist eine mittlere Kompression mit MKS nach Maß in der Kompressionsklasse II meist ausreichend. Diese Kompressionsbestrumpfung ist zur Rezidivprophylaxe ein Leben lang anzulegen.

Achtung: Sowohl Strumpfsysteme wie auch die Bestrumpfung nach Maß sind erst im Anschluss an eine erfolgreiche Entstauung sinnvoll einzusetzen.

Tipp: In der Therapiephase sollten Kompressionsbinden zur Unterstützung des Abheilungsprozesses kontinuierlich (24 Std.) getragen werden. Wenn der Patient ohne Bandagierung nach Ablegen der Kompression abends noch herumläuft oder morgens vor Anlegen des Verbands viel in Bewegung ist, geht der erreichte Entstauungserfolg vom Vortag verloren. Da Kurzzugbinden rasch im Anlagedruck nachgeben, sollte die Bandagierung täglich erneuert werden.

Quellennachweis
Initiative Chronische Wunde e.V. (2010): Konsensusempfehlung zur „Kompression“, www.icwunden.de
Wundzentrum Hamburg e.V. (2014): Kompressionstherapie bei UCV

Foto
©BSN medical, Comprihaft®

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