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30. Januar 2017 Thema:

Wundbeläge

Grundwissen: Wundbeläge

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Fibrinbelag

Fibrin ist ein Bestandteil des Blutes. Es handelt sich hierbei um ein hochmolekulares, nicht wasserlösliches Protein. Der Fibrinbelag entsteht durch Thrombozytenaggregation – also einem Verkleben von Thrombozyten – und Fibrinausfällung. Diese Fibrinbeläge dienen in der physiologischen Wundheilung für den ersten Wundverschluss und als Baugerüst für die beginnende Granulation. Festanhaftende Fibrinbeläge lassen sich im Gegensatz zu Eiter (s. weiter unten) aus der Wunde weder abwischen noch auspülen. Sie können somit zu einer Störung der Wundheilung führen. Die verstärkte Bildung von festanhaftendem Fibrinbelag hat in der Wunde eine Schutzfunktion vor Austrocknung, Wärmeverlust und mechanischen Reizen. Fibrinbelag ist ein guter Indikator dafür, ob eine Wunde eine gute oder unzureichende Versorgung erhält.

Sonderform

Eine Sonderform des Fibrinbelags ist das sogenannte Infektfibrin. Hierbei handelt es sich um einen hell- bis dunkelgelben, festsitzenden, meist feucht – schmierigen Belag auf sekundär heilenden / chronischen Wunden. Es stellt ein Gemisch aus Fibrin, nekrotischem Zellgewebe, Makrophagen und eingedicktem Exsudat dar. Insbesondere bei chronischen Wunden kommt es auf Grund eines beständigen Reizes (z.B. durch begleitende Entzündungsreaktionen) oft zu übermäßiger Bildung von Fibrin, dass zu einer Wundheilungsstörung führt und entfernt werden muss.

Nekrose

Bei einer Nekrose handelt es sich um avitales Gewebe und gilt deshalb als Störfaktor für die Wundheilung. Sie fördert bakterielles Wachstum und unterbinden gleichzeitig die Granulation. Da eine Beobachtung des Wundgrunds nicht möglich ist, lässt sich eine Infektion oder eine Unterminierung tieferer Gewebsschichten nicht frühzeitig erkennen. Die Beschaffenheit von einer Nekrose variiert von trocken bis feucht. Dabei treten farbliche Variationen von Schwarz über Braun, Grün bis Gelb auf. Da eine Nekrose die Wundheilung behindert, sollten diese abgetragen werden mittels einer der Débridementarten. Trockene Nekrosen bei einer pAVK sind erst im Anschluss an eine erfolgreiche Revaskularisation (z.B. Gefäßbypass oder -Dilation) oder zur Entlastung akuter Infektionen zu entfernen. Sie dürfen keinesfalls vor einem solchen Eingriff angeweicht werden (Keime können dadurch tiefer ins Gewebe transportiert werden, dadurch kann eine schwere lokale Infektion verursacht werden). Bis dahin sind nur trockene Verbandswechsel durchzuführen.

Detritus

Als Detritus wird eine durch Zell- und Gewebszerfall entstehende breiige / krümelige, strukturlose und zumeist fetthaltige Masse bezeichnet. Detritus kann beim Absterben (Nekrose) oder entzündlich bedingter eitriger Einschmelzung von Zellverbänden, wie z.B. bei einem Abszess, entstehen. Diese Masse besteht aus Bakterien, welche umschlossen von Fibrin und Leukozyten sind. So gesehen aus einem Gemisch von Bakterien und Sekret, welche abgestoßen worden sind. Der faulige Geruch ist typisch für Detritus und muss debridiert werden.

Eiter / Pus

Eiter – oder medizinisch Pus genannt – ist ein biologisches Abbauprodukt, dass durch Gewebeeinschmelzung (Autolyse) oder den Untergang von Leukozyten entsteht, die in ein Entzündungsgebiet eingewandert sind. Den Prozess der Absonderung von Eiter, wird Suppuration (Eiterung) genannt. Eiter kann eine dünn- bis rahmig-dickflüssige Konsistenz / Viskosität haben. Die Farbe und Konsistenz ist abhängig von der Art des erzeugenden Bakteriums und können daher erste Hinweise auf den Erreger geben. Gelber Eiter findet sich bei Staphylococcus aureus, blaugrüner Eiter bei Pseudomonas aeruginosa. Bei Beimischung von Blut kann die Farbe in rosa bis braun umschlagen. Ein weiteres wichtiges klinisches Kriterium ist der Geruch des Eiters („geruchlos“, „süßlich“, „übelriechend“). Ein fötider Geruch weist in der Regel auf Escherichia coli oder Anaerobier hin. Das Vorhandensein von Eiter spricht für eine lokale Infektion und somit sind auch die Infektionszeichen wie Rötung, Ödem, Überwärmung, Schmerzen und Funktionseinschränkungen zu erkennen. Eine grobe Methode, um Eiter von Fibrin zu unterscheiden, ist mit einer Kompresse über die Wunde zu wischen. Eiter, der praktisch nur auf der Wunde „liegt“, lässt sich im Gegensatz zu Fibrin abwischen.

Biofilm

Ein Biofilm ist eine sogenannte mikrobielle Lebensgemeinschaft in der Wunde – ein häufig nachweisbarer Belag auf einer chronischen Wunde und kann zusammengesetzt sein aus Bakterien und Pilzen. Biofilme sind anfangs mikroskopische Strukturen und erst wenn dieser über längerem Zeitraum wachsen kann, ist der Biofilm erkennbar. Dann erst zeigt sich die mikrobielle Lebensgemeinschaft als eher gelartige, glänzende Konsistenz. Es ist auch eine Verbindung zwischen Fibrinbelag und Biofilm möglich und daher nur schwer differenzierbar. Ein sicherer Nachweis gibt nur eine mikroskopische Untersuchung. Grundsätzlich weist jedoch eine stagnierende Wundheilung solchen hin.

Quellen:

- Palliative Wundversorgung, von Susanne Danzer
- 100 neue Fragen zur Wundbehandlung, von Susanne Danzer und Anke Bültemann
- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage, von Kerstin Protz
- http://www.wikipedia.de
- http://www.flexikon.doccheck.de

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