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13. Dezember 2015 Thema:

Ulcus cruris

Wundwissen Lexikon: Ulcus cruris

Unter Ulcus cruris (Umgangssprachlich auch „offenes Bein“ genannt) ist eine offene, meist stark nässende Wunde am Unterschenkel zu verstehen. Das durch eine schlechte Stoffwechselsituation gestörte Gewebe bildet einen Defekt aus, der von der Lederhaut bis zur Unterhaut reicht. Ein Ulcus cruris gilt als therapieresistet, wenn dieses innerhalb von drei Monaten keine Heilungstendenz aufweist und binnen zwölf Monaten nicht abheilt. Betroffen sind meistens ältere, von mehreren Grunderkrankung betroffene Menschen.

Aufbau der Haut

Aufbau der Haut

Einteilung und Entstehung eines Ulcus cruris

Ein Ulcus cruris lässt sich anhand der Grunderkrankung (pAVK und / oder CVI, aber auch auf Grund anderer Erkrankungen) einteilen. Im folgenden Text werden die häufigsten Formen näher beschrieben.

Ulcus cruris venosum

Das Ulcus cruris venosum ist die am häufigsten Auftretende Form, je nach Studie 57 – 80% aller nicht spontan heilender Wunden am Unterschenkel. Die Wunde ist meist am unteren Drittel des Unterschenkels zu finden. Ursache ist hierbei eine chronisch venöse Insuffizienz, es liegt eine Abflussstörung des Blutes im Unterschenkel vor. Die Frühfolge ist die venöse Stauung und es bildet sich ein sogenannter „Privatkreislauf“, in dem das Blut zirkuliert und nicht ausreichend zum Herzen zurückgelangt. Dadurch kommt es zur Ödembildung, im weiteren Verlauf entwickelt sich zusätzlich eine Verhärtung des umgebenden Bindegewebes (Sklerose). Durch die

Ulcus cruris venosum, entstanden durch ein Bagatelltrauma bei CVI

Ulcus cruris venosum, entstanden durch ein Bagatelltrauma bei CVI

Verlängerung der Strecke zwischen Kapillargefäß und Gewebezelle, infolge der Ödeme und Sklerose wird die Versorgung des Gewebes mit Blut und Nährstoffen behindert.  Das Gewebe stirbt ab, die Haut zeigt kleine, offene Stellen und ist der Anfang eines Ulcus cruris venosum. Besonders betroffen sind die Bereiche der Knöchelinnenseiten und die Vorderseite des Unterschenkels. Aber auch durch Bagatellverletzungen (bsp. Hautlappenriss) kann ein Ulcus cruris venosum (bei Vorliegen einer CVI) entstehen!

Therapie

Das allerwichtigste hierbei ist die Entstehungsursachen zu beseitigen (venöse Flussstörung). Die Basistherapie ist immer eine adäquate Kompressionstherapie. Vorher muss jedoch eine Doppler- /Duplexsonografie (Ultraschall) durchgeführt werden, dies zeigt sowohl die venösen als auch die arteriellen Durchblutungsverhältnisse im Bein (Ausschluss einer pAVK). Zudem können minimalinvasive (Venenverödung von oberflächigen Venen und Varizen) oder chirurgische Eingriffe (bsp. Varizenstripping, Fasziotomie, Ulkusexzension oder Ulkusdeckung durch Meshgraft-, Vollhaut-, Lappenplastik) erforderlich sein. Jedoch auch eine konservative Therapie ist von Notwendigkeit. Hierzu zählt die Ernährung, Mobilisierung und kontrolliertes Gehtraining, Reduktion von Übergewicht, manuelle Lymphdrainage, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, angepasste Hautpflege und dem jeweiligen Wundstadium angepasste Wundtherapie.

Ulcus cruris arteriosum

Nekrose der Zehen bei pAVK

Nekrose der Zehen bei pAVK

Diese Form eines Ulcus ist die folgenschwerste, denn bei nicht zeitnaher Behandlung der Grunderkrankung,

kann eine Amputation von Zehen / Fuß oder dem gesamten Bein notwendig sein (je nach Ausmaß der Durchblutungsstörung). Die Grunderkrankung ist hierbei eine pAVK. Die Auftrittshäufigkeit eines Ulcus cruris arteriosum liegt zwischen 4 – 30%. Durch den Abbruch der Blutversorgung in der arteriellen Endstrombahn, meist durch eine Arteriosklerosis der großen und mittleren Gefäße. Es kommt zu einem Gewebsuntergang, einer Nekrose und zur Entstehung einer Wunde. Die häufigsten Stellen am Fuß sind die Endglieder der Zehen und Nägel, der jeweilige Bereich des Nagelbettes und Mittelfußknochen.

Therapie

Die Therapie richtet sich an den sogenannten IRAN – Prinzip:

  • = Infektionskontrolle, Mumifizierung der Gangrän
  • R = Revaskularisation durch Ballondilation oder Gefäßoperation
  • A = Amputation bzw. Nekrosentfernung im infektionsfreien Stadium
  • N = Nachsorge der amputierten Extremität, z.B. Wundbehandlung, Beseitigung von Risikofaktoren

Die Grunderkrankung (pAVK) kann im Falle einer nicht möglichen Revaskularisation nicht behandelt werden. Daher sollte bei einer Mumifizierten, trockenen Nekrose, wenn der Randsaum ausgetrocknet ist eine trockene Wundbehandlung weitergeführt werden. Außerdem sollte eine Infektiosprophylaxe durchgeführt werden!

Klinische Zeichen einer pAVK bzw. CVI

Chronisch venöse Insuffizienz:

  • Varizen (Krampfadern)
  • Hautverfärbung wie Hyperpigmentierung (bräunliche Verfärbung der Haut entsteht durch den hohen Druck auf das venöse Gefäßsystem. Es kommt zu einem „Auspressen“ von Erythrozyten ins Gewebe. Durch den Abbau des Hämoglobins entsteht Hämosiderin, welches sich im Gewebe ablagert.)
  • warme Haut
  • Verhärtungen der Haut im Bereich des Unterschenkels (Dermatosklerose)
  • Stauungsdermatitis (Entzündungsreaktion der Haut auf die vorhandene Spannung durch Ödeme, abakterielle Entzündung – keine Infektion)

Periphere arterielle Verschlusskrankheit:

  • blasse, marmorierte, poröse, dünne (verursacht durch mangelernährte Haut – keine ausreichenden Nährstoffe und Sauerstoffe gelangen auf Grund der schlechten Durchblutungsstörung in die Beine)
  • kühle, kalte Haut
  • trockene Haut
  • Haarausfall im Bereich der Unterschenkel
  • Atrophie der Muskulatur

 

 

Quellen:
- Susanne Danzer und Anke Bültemann - "100 Fragen zur Wundbehandlung" und "100 neue Fragen zur Wundbehandlung"
- Kerstin Protz - moderne Wundversorgung, 6. Auflage

 

 

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