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10. Februar 2017 Thema:

Tracheostomapflege

Wundwissen Grundwissen: Tracheostomapflege – „Worauf es ankommt“

Autor: Sebastian Kruschwitz

 

Die Zahl der Menschen mit einem Tracheostoma nimmt auch in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen stetig zu. Neben dem korrekten Umgang mit der Trachealkanüle ist die pflegerische Versorgung des Tracheostoma eine wichtige Maßnahme bei diesen Pflegekunden und erfordert spezielles Fachwissen.

Die Pflegeziele sollten dabei sein

Hautschäden und Wundinfektionen zu vermeiden, die Haut intakt und reizlos zu halten,

Hautschäden und Wundinfektionen zu behandeln und zur Abheilung zu bringen

Druckschäden unter dem Kanülenschild und im Bereich des Haltebändchens vorzubeugen.

Das Maß der Sterilität und die Häufigkeit der Tracheostomapflege geben immer wieder Anlass zu Diskussionen. Generell helfen da einrichtungsinterne Standards. Dennoch sollte eine individuelle Pflege stattfinden und an die Situation mit den entsprechenden Maßnahmen angepasst sein.

Umgang mit einem Tracheostoma

Entzündungszeichen und bereits offenen Läsionen am T-Stoma.

Ein Tracheostoma ist direkt nach der Anlage als bedingt aseptische Wunde zu betrachten, d. h. ein Verbandwechsel muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen.

Die Hygieneprinzipien, vor allem die Händedesinfektion, müssen konsequent eingehalten werden, da stets ein breites Keimspektrum vorliegen kann.

Außerdem besteht das Risiko, dass Keime von einem Bewohner zum anderen getragen werden.

Keime, die in das Tracheostoma gelangen, haben nur einen kurzen Weg bis in die Lunge Pneumoniegefahr.

Ein Tracheostomaverband wird einmal bis zu dreimal am Tag durchgeführt, auch um die Hautsituation zu beurteilen. In der Anfangsphase, bei starker Sekretion oder bei Hautkomplikationen muss er häufiger durchgeführt werden, nämlich immer dann, wenn die Trachealkompresse durchnässt ist.

■ Kanülenhaltebändchen müssen nicht jeden Tag gewechselt werden, sollten aber bei sichtbaren Verschmutzungen erneuert werden.

Benötigte Materialien

● Abwurf,

● Händedesinfektionsmittel,

Unsterile Handschuhe,

● Sterile Handschuhe (so genannte Absaughandschuhe),

● Sterile Tupfer/Kompressen oder sterile Watteträger,

● Cuffdruckmesser bei Kanülen mit Cuff,

● Individuell ausgewählte Trachealkompresse,

● Waschlappen und Handtuch,

Neues Kanülenhaltebändchen falls nötig.

● Bei reizlosen Wundverhältnissen kann die Tracheostomaumgebung auch im Rahmen der allgemeinen Körperpflege mit pH-hautneutralen Pflegemitteln und lauwarmen Wasser erfolgen.

Kochsalzlösung oder Stomapflegetücher/öl; bei Hautreizungen in der Wundumgebung können auch Wundspüllösungen eingesetzt werden. Hierbei sind die Einwirkzeiten derer zu beachten.

● Bei Hautreizung und Mazeration: einen Acrylatfilm (Hautschutz), Wund- und Heilsalbe, z. B. Panthenol-Salbe.

Bei Entzündungszeichen und bereits offenen Läsionen sollte ein Schleimhautdesinfektionsmittel, Octenisept®, oder antiseptisch wirkende Salben (müssen vom Arzt angeordnet werden) eingesetzt werden.

Zinkpaste oder Penaten-Creme sind nicht geeignet, da sie die Hautporen verschließen und die Hautatmung nicht mehr gewährleistet werden kann. Zudem führt eine spätere Entfernung der Rückstände zu erneuten Hautreizungen.

Trachealkompressen

Bei den Trachealkompressen gibt es ein großes Angebot. Grundsätzlich sollen sie Trachealsekrete aufnehmen und das Kanülenschild abpolstern. Eine geschlitzte Kompresse ermöglicht den Kompressenwechsel, ohne dass die Kanüle entfernt werden muss. Eine spezielle Zip-Schlitzung soll das Herunterrutschen der Kompresse verhindern. Bitte beachten:

  • Niemals aus 10 × 10 cm große Mullkompressen durch Einschneiden eine Trachealkompresse herstellen, da sich einzelne Mullfäden lösen und ins Tracheostoma gelangen können.
  • Trachealkompressen mit Aluminiumbedampfung: Die silbergraue Seite wird hautseitig aufgelegt. Durch die Aluminiumbedampfung verklebt die Kompresse nicht mit Blut und Sekret. Die Silberschicht wirkt hier hemmend auf das Wachstum der Bakterien, kann allerdings nur sehr wenig parastomales Sekret aufnehmen.
  • Einlagige Kompressen: Sie sind dünn und tragen wenig auf. Allerdings polstern sie auch nicht so gut und können nicht so viel Sekret aufnehmen.
  • Kompressen aus Polyurethanschaum: Sie sind in der Lage, viel Sekret aufzunehmen, und haben sehr gute polsternde Eigenschaften.
  • Zweilagige und dreilagige Kompressen: Sie nehmen deutlich mehr Sekret auf und transportieren es in das Kompresseninnere. Teilweise ist die obere Schicht wasserundurchlässig. So kann die Kompresse nicht durchweichen und die darüber getragene Kleidung ist geschützt.

Die Durchführung entspricht dem Vorgehen bei einem aseptischen Verbandwechsel. Im Einzelfall kann von diesem Vorgehen abgewichen werden. Die ausführende Pflegefachkraft trägt die Verantwortung für ihr Tun.

⇒ Beachten Sie, dass keine Flüssigkeit in das Tracheostoma gelangen darf – Aspiration!

Bei extrem geschädigter Haut bietet sich auch eine Hydrokolloidplatte aus der Stromversorgung an.

Ggf. Hautschutzprodukt, antiseptisch wirkende Salbe oder Wund- und Heilsalbe in der Stoma Umgebung auftragen. Bei extrem geschädigter Haut bietet sich auch eine Hydrokolloidplatte aus der Stromversorgung  an, hier sollten ,,plane‘‘ Platten verwendet werden und die Lochgröße an das Tracheostoma bzw. die Größe der Kanüle angepasst sein. Cave: Anwendung im ,,Off Label use‘‘; Bereich immer vom Arzt schriftlich anordnen lassen und dokumentieren.

Trachealkompressen – ,,richtige Anwendung‘‘?

In den meisten Fällen werden Trachealkompressen oft mit der falschen Seite angewandt. Das hat meist zur Folge, dass sich Flüssigkeiten stauen, weil sie nur unzureichend von der Kompresse aufgenommen werden. Als Resultat treten Reizung/Rötungen bis hin zu offenen Hautläsionen und Bildungen von Hypergranulationen am Tracheostoma auf.

In der Regel haben die meisten Trachealkompressen eine leicht glänzende Polythylen-Netz-Beschichtung auf der Haut zugewandten Seite der Kompresse. Sie soll ein verkleben mit der Haut verhindern. Es gibt allerdings auch Hersteller, bei deren Produkten ist es genau anders herum und die zur Haut gewandte Seite ist mit kleinen blauen Fäden gekennzeichnet.

Im Zweifelsfall sollten sich die Pflegefachkräfte die beigefügten Produktbeschreibungen und Herstellerangeben durchlesen, um Klarheit zu haben, wie herum die Trachealkompresse angelegt werden muss. Man kann natürlich auch einen kleinen Test durchführen, um an des Rätsels Lösung zu kommen. Einfach etwas Wasser auf eine Kompresse träufeln. Perlt die Flüssigkeit ab, handelt es sich um die Seite, die nicht auf die Haut gelegt werden sollte. Diese Kompresse sollte nicht mehr am Patienten verwendet werden.

Beispiele aus dem breiten Angebot an Trachealkompressen.

Es gibt mittlerweile die unterschiedlichsten Trachealkompressen, wobei sich die Standardkompressen in ungeschlitzt, geschlitzt und oder einfach und Doppelkammerkompressen (zweilagig) unterscheiden. Um eine antibakterielle Wirkung am Tracheostoma bzw. der Wundumgebung im Bereich der Kompresse zu erzielen, gibt es diese natürlich auch noch mit einer Silberbeschichtung. Die Trachealkompresse sollte immer an das Aufkommen des Trachealsekrets angepasst sein. Also je mehr Sekret/Flüssigkeit vorhanden ist, um so mehr muss die Trachealkompresse aufnehmen können und um so häufiger muss ein Wechsel stattfinden. Es geht darum, eine Staunässe direkt am Tracheostoma zu vermeiden, denn dies könnte Faktoren wie Infektion, Hypergranulation, Mazeration, Reizungen/Rötungen, Juckreiz, Schmerzen verursachen.

Bei den PU-Schäumen im Bereich Tracheostomaversorgung, sieht die ganze Sache dann schon einfacher aus. Die Deckschicht ist meistens Hautfarben und man erkennt mit bloßem Auge, welche Seite hier die saugende Rolle spielt, nämlich die Weiße. Aber auch hier gibt es einen Hersteller, der mit einer Kartonschicht auf der einen Seite der Kompresse für Verwirrung sorgt. Dieser Karton dient einzig und allein der Stabilität der Kompresse und kann entfernt werden, wenn die Trachealkompresse sich besonders an die Gegebenheiten des Tracheostoma und Umgebung anpassen soll.

PU-Schäume sollten nur bei einer Indikation wie beispielsweise Hautläsionen im Wundumgebungsbereich des Tracheostoma eingesetzt werden. Bei Hypergranulationen wären sie eher kontraproduktiv, da sie ein feuchtes Wundmilieu aufrechterhalten. Des Weiteren können die PU-Schäume weniger Sekret/Flüssigkeit aufnehmen wie z. B. eine zweilagige Trachealkompresse. Zum anderen sollte man den ökonomischen Aspekt mit in Betracht ziehen. PU-Schäume sind wesentlich teurer als normale und zweilagige Trachealkompressen.

Um den Hypergranulationen am Tracheostoma ,,Herr zu werden‘‘, sollten die Kompressen öfter gewechselt werden und mit einem Antiseptikum für Schleimhäute zur Reinigung gearbeitet werden. Um die Hypergranulation möglichst schnell zu entfernen, können zudem auch in Absprache mit dem behandelnden Arzt antiseptische oder steroidhaltige Salben angewendet werden. Bei größeren Granulomen sollte der Patient dann doch dem HNO bzw. Chirurgen vorgestellt werden, damit diese Granulome abgetragen werden.

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Beitragsbild: Von KlausD.Peter - eigenes Foto, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=2965521

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Autor dieses Beitrags: Sebastian Kruschwitz

Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde ICW, Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung, Fachbereichsleitung Wundmanagement, ZBI-Gruppe in Berlin

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