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13. März 2016 Thema:

Tiefe Wunden

Wundwissen Lexikon: Tiefe Wunden

Diese Wunden sind sehr tiefe, offene Wunden mit bsp. freiliegenden Sehnen, Knochen, aber auch Muskel- und Fettgewebe.  Es besteht die Gefahr von weiterführenden Schädigungen wie Infektion oder Duchblutungsstörungen bis hin zur Ischämie.

Sowohl untergegangene Knochen- und Sehnenanteile müssen entfernen, da diese eine Fremdkörperwirkung auf die Wundheilung ausüben und somit die Wundheilung negativ beeinflussen.

Freiliegende Sehne

Freiliegende Achillessehne

Freiliegende Achillessehne

Als Sehnen bezeichnet man bindegewebige Faserzüge, die Muskeln mit Knochen oder als Zwischensehne zwei Bäuche eines Muskels miteinander verbinden.

Sehnen zeigen sich gelblich – weiß, haben eine glatte Struktur, glänzend und es lässt sich eine deutliche längsverlaufende Faserverzeichnung erkennen. Geschädigte Sehnen werden, z.B. durch Austrocknung, trocken, verfärben sich bräunlich und beginnen abzufasern. Entlang des Sehnenverlaufs (Sehnenscheide) bilden sich häufig Taschen.

Eine freiliegende Sehne sollte vor Austrocknung geschützt werden. Hierbei ist der Einsatz von amorphen (formlosen) Hydrogelen indiziert. Es kann nötig sein das Hydrogel täglich zu erneueren, je nachdem wie viel Feuchtigkeit die betroffene, freiliegende Sehne benötigt. Eine weitere Möglichkeit ist auch die Unterdrucktherapie.

Freiliegende Knochen

Knöcherne Strukturen sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, da sie häufig durch anderes Gewebe verdeckt ist (bsp. einer Nekrose). Die große Gefahr bei freiliegenden Knochen ist die Entstehung einer Osteomyelitis neben der Ausbildung einer Knochennekrose.

Knochen sind gelb-weiß bis grau und lassen sich als harte Struktur mit bsp. einer sterilen Pinzette tasten und haben eine glatte Oberfläche (solange die Knochensubstanz intakt ist!). Bei Untergang des Knochengewebes, z.B. durch Austrocknung, wird die Oberfläche rau, es können Knochenanteile abstehen.

Auch hier gilt es: Freiliegende Knochen müssen vor Austrocknung geschützt werden mittels Verwendung eines Hydrogels. Wie bei der freiliegenden Sehne, kann auch bei freiliegenden Knochen die Unterdrucktherapie angewendet werden.

Fettgewebe

Adipozyten im weißen Fettgewebe

Adipozyten im weißen Fettgewebe

Das Fettgewebe ist eine an verschiedenen Stellen des Körpers auftretende Form des Bindegewebes, die aus Fettzellen (Adipozyten) aufgebaut ist. Grundsätzliche Aufgabe der Fettzelle ist es, in ihrem Zellleib Fett als auch Wasser speichern und auch wieder freigeben zu können. Es werden zwei Formen des Fettgewebes mit unterschiedlichen Funktionen − das weiße und das braune Fettgewebe − unterschieden.  Besonders ausgeprägte Fettdepots befinden sich als mehrere Zentimeter dicke Schicht am Bauch und am Gesäß. Die Dicke des Bauches sowie Form, Größe und Gewicht der Gesäßbacken werden dabei durch den Trainingszustand der Muskulatur und die Menge des eingelagerten Fettes (Mastfett) bestimmt, hängen also auch vom Ernährungszustand ab. Die Menge des Depotfettes beträgt bei Normalgewichtigen etwa 15 kg bei Männern und etwa 15–20 kg bei Frauen.

Das Fettgewebe zeigt sich gelb-orange / weiß / grau und hat eine eher ölige Konsistenz. Die Adipozyten lassen sich als kugelförmiges Gebilde erkennen, da es sich bei Fettzellen (insbesondere bei weißem Fett) um recht große Zellen handelt. Die Durchblutung des Fettgewebes ist deutlich schlechter als die der Muskulatur und weist folglich daraus eine schlechtere Wundheilung.

Bei Untergang der Fettzellen nehmen diese eine gräuliche Farbe an. Die Struktur wird „bröselig“. Bei Fettgewebsnekrosen wird das Gewebe trockener und verfärbt sich braun bis olivfarben. Bei zusätzlich vorhandenen Ödemen ist das Fettgewebe hell und weiß.

Muskelgewebe

Muskeln des Menschen (aus der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon (1885–1890))

Muskeln des Menschen (aus der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon (1885–1890))

Die Muskulatur ist ein Organsystem in Gewebetieren und bezeichnet die Muskeln. Der Begriff bezieht sich z. B. bei den Bezeichnungen Bauchmuskulatur oder Rückenmuskulatur auf die Muskelgruppen des jeweiligen Körperabschnitts und ihre Wechselwirkung. Ein Muskel ist ein kontraktiles Organ, welches durch die Abfolge von Kontraktion und Erschlaffen innere und äußere Strukturen des Organismus bewegen kann.

Unter der Faszie, einer gelb-weißen, faserigen Hülle, liegt die Muskulatur. Vitales Muskelgewebe ist rot und gut durchblutet, von weicher bis fester Konsistenz und besteht aus kontraktilen Faserbündeln. Bei einer unzureichenden Durchblutung oder bei Austrocknung wird dieses fahl-grau, Nekrotisches Muskelgewebe ist braun bis schwarz. 

 

 

 

 

Quellen:

- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage von Kerstin Protz
- 100 neue Fragen zur Wundbehandlung von Susanne Danzer und Anke Bültemann
- Palliative Wundversorgung von Susanne Danzer
- http://www.wikipedia.de

Bilder: Adipozyten im weißen Fettgewebe von: CC BY-SA 3.0 (Lizenz), https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=600755

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