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5. Februar 2016 Thema:

Inkontinenz-assoziierte Dermatitis

Wundwissen Lexikon: Inkontinenz-assoziierte Dermatitis

Eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (auch IAD genannt) ist eine lokale oberflächige Entzündung der perinealen Haut, im Volksmund auch „Windeldermatitis“ oder „Windelausschlag“ genannt. Die IAD  ist eine Sonderform der Feuchtigkeitswunde. Die Ursache für eine IAD ist immer eine Inkontinenz. Der beständige Kontakt mit Stuhl und / oder Urin irritiert die Haut und es bildet sich bsp. ein Ausschlag, Ekzeme, bei der sich die Haut rund um die betroffene Stellen stark entzündet. Jeder Mensch, der an einer Inkontinenz leidet, kann eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis entwickeln – muss jedoch nicht.

Risikofaktoren

  • Stuhlinkontinenz und / oder Harninkontinenz
  • Flüssiger Stuhl mit hoher Entleerungsfrequenz
  • hohes Lebensalter
  • Mobilitätseinschränkung
  • Pflegebedürftigkeit
  • sensorische Einschränkungen

Symptome einer IAD

  • Entzündliche Reaktionen im Intimbereich (des aufsaugenden Inkontinenzmaterials): gerötete, nasse, schuppige Erosionen, häufig glänzende Haut, Bläschen und Pusteln, Juckreiz und Schmerzen an den oberflächigen offenen Hautstellen
  • Mit Candida-Infektion: scharf abgegrenzte, feuchtglänzende Hautrötungen in der Analfalte und im Genitalbereich, Schuppen an den Übergangszonen zur vitalen Haut, Satelliten papeln 
  • Mit bakterieller Infektion: Pusteln und Blasen, nässende Hautrötungen, bei schwerem Verlauf auch offene, blutende Hautstellen

Ursachen

Eine Stuhlinkontinenz, alleine und in Kombination mit einer Harninkontinenz, ist der größte Risikofaktor für eine Entstehung einer Inkontinenz-assoziierten Dermatitis. Eine Harninkontinenz allein ist kein signifikanter Faktor für die Entstehung einer IAD!

  • Harninkontinenz: Der Urin schädigt durch Ammoniak die Schutzbarriere der Haut und erhöht dadurch den pH-Wert. Urin interagiert zudem mit Stuhl und aktiviert die Stuhlenzyme
  • Stuhlinkontinenz: Durch die Aktivität der Stuhlenzyme werden Eiweiß und Fette gespalten wodurch das Stratum corneum  angegriffen wird. Dies wiederum führt zu einer Proteasenaktivität und der pH-Wert der Haut erhöht sich. Folglich daraus ist die Haut vermehrt Bakterien und Mikroben ausgesetzt.

Weitere Einflussfaktoren sind falsche Hautreinigungsprodukte (bsp. feuchtigkeitsspendene Lotionen/Cremes/Salben), Reibung und Scherkräfte, Kontakt und Reizung mit aufsaugenden Inkontinenzmaterial, Keimbesiedlung und -wachstum

Um ein feucht-warmes Milieu vorzubeugen, ist eine Netzhose mit Einlage einem Inkontinenzslip vorzubeugen

Um ein feucht-warmes Milieu zu vermeiden, ist eine Netzhose mit Einlage einem Inkontinenzslip vorzuziehen

Behandlung einer Inkontinenz-assoziierten Dermatitis

  • Fäkalkollektor

    Fäkalkollektor

    Köperausscheidungen sind sofort zu entfernen und es muss eine Hautpflege durchgeführt werden durch eine sanfte Hautreinigung (weiche Materialien verwenden und sanftes abtupfen der Haut, Einsatz von pH-neutralen Produkten, die die Festigkeit und die Regeneration der Epidermis schützen), alkalische Seifen und Produkte mit anionischen Tensiden (Reinigungsmittel) nicht verwenden

  • Fernhaltung von Stuhl und Urin, ggf. Einsatz von weiteren Hilfsmittel wie z.B. Fäkalkollektoren, Analtampons oder Stuhldrainagesystem
  • Einsatz von Hautschutzpräparaten und Barriere-Cremes, wie transparenten Hautschutzfilmen, -tüchern, -sprays
  • offene Körpernahe Inkontinenzhilfsmittel (z.B. Netzhose mit Einlage) sind geschlossenen
    Unterschiedliche Analtampons mit Applikator bei Stuhlinkontinenz

    Unterschiedliche Analtampons mit Applikator bei Stuhlinkontinenz

    Inkontinenzmaterial (Slips) vorzuziehen, um ein feucht-warmes Milieu  zu vermeiden

  • Auf Anzeichen einer möglichen Infektion achten, sowie auf möglichen pilzartigen Ausschlag achten und ggf. Arzt oder Facharzt (Dermatologen) konsultieren
Quellen:
https://www.kieler-wundsymposium.de/tl_files/wundsymposium/pdf/Kerstin%20Protz_IAD_Standard_WundnetzHamburg.pdf - Standard Wundnetz Hamburg von Kerstin Protz
Dekubitus - Prophylaxe und Therapie von Susanne Danzer und Ulrich Kamphausen
Fotos:
  • Fäkalkollektor: „Faekalkollector-1“ von SVI-Helmut aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Faekalkollector-1.jpg#/media/File:Faekalkollector-1.jpg
  • Analtampons: „Analtampon-1“ von SVI-Helmut aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Analtampon-1.jpg#/media/File:Analtampon-1.jpg

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