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14. Februar 2016 Thema:

Hauttransplantation

Wundwissenlexikon: Hauttransplantation

Als Hauttransplantation wird die Transplantation von Haut zur Deckung von Hautdefekten, bsp. Verbrennungen, chronischen Wunden und Verätzungen bezeichnet. Grundsätzlich ist die Haut dazu in der Lage, sich selbst zu regenerieren und Wunden mit voll funktionstüchtigen Gewebe zu ersetzen. Bei größeren Wunden oder auch bei verschiedenen Grunderkrankungen (bsp. Diabetes mellitus, CVI, pAVK) ist dieser Vorgang sehr langwierig, da die Reepithelisierung nur von den Rändern oder erhaltenen Epithelinseln in der Wunde ausgeht. Alle Wunden haben immer ein Infektionsrisko, die Hauttransplantation ist somit neben bzw. mit einer NPWT Therapie eine Möglichkeit zum Wundverschluss.

Es gibt verschiedene Methoden einer Hauttransplantation, jede beinhaltet jedoch einen operativen Eingriff unter einer Narkose und wird je nach Wundart angewendet. Eine Transplantation der Haut ist bei oberflächigen und ausgedehnten Defekten indiziert, die nicht durch Adaption der Wundränder geschlossen werden können.

Wichtige Kriterien für eine Hauttransplantation

Die Wahl des Hauttransplantat hängt von der Größe und Beschaffenheit (bsp. Durchblutung) der Wunde ab. Optimale Bedingungen für ein Transplantat ist bei einem Wundgrund mit guter Durchblutung, ebenmäßiger Struktur (oberflächige Wunde) und geringer Exsudation, zudem darf die Wunde nicht infiziert sein. Als „Empfängerort“ für ein Transplantat eignet sich eine Wunde mit Granulationsgewebe (altes Granulationsgewebe muss vorher aufgefrischt werden!), Muskeln und Periost geeignet. Kontraindiziert sind freiliegende Knorpeln, Knochen, Nerven oder Sehnen, da diese das Anwachsen des Transplantats verhindern. Blutungen sind möglichst vollständig zu stillen, da Flüssigkeitsansammlungen zwischen Wundbett und Transplantat das Anwachsen verhindern. Je näher die Hautentnahmestelle an der Wunde liegt, desto besser ist das ästhetische Ergebnis (Behaarung, Farbe der Haut).

Verschiedene Arten der Hauttransplantation

Vollhauttransplantate

  • besteht aus körpereigener Haut mit Epidermalstrukturen (wie Haarfolikel und Schweißdrüsen). Es sind nur kleine Hautareale transplantierbar, die dadurch entstandene Wunde muss jedoch durch Wundrandadaption verschlossen werden.
  • Indikation: bei mechanisch und motorisch belastetenden Wunden, z.B. Fuß, Hand, Gesicht- und Halsregion), eingeheilte Transplantate bieten funktionell und ästhetisch eine gute Hautqualität – behält Farbe, schrumpft nur wenig
  • Technik: Das Transplantat wird mit Hilfe einer Schablone markiert, entnommen und komplett entfettet. Die Haut ist nur vorübergehend vollständig von der Durchblutung getrennt. Ggf. werden auch kleine Schlitze am Rand mittels Skalpell eingefügt, um einen späteren Sekretabfluss zu erleichtern. In der Empfängerregion wird die transplantierte Haut am Rand eingenäht und für fünf Tage fixiert (üblich mit einem Kompressen-Schaumstoffverband). Nach ca. 48 Stunden sprossen erste Kapillaren aus und die Ausbildung einer Blutzirkulation beginnt.

Spalthauttransplantate

Schematische Darstellung der Gewinnung eines Hautlappens

Schematische Darstellung der Gewinnung eines Hautlappens

  • diese können in unterschiedlicher Dicke entnommen werden und das Spenderareal kann zwei oder dreimal benützt werden. Spalthaut wird mit speziellen Messern entnommen (Humby-Messer, Trommeldermatom nach Padgett, druck- oder strombetriebenes oszillierendes Messer nach Brown)
  • Indikation: Hauptsächlich bei schlecht durchbluteter, nicht infektfreier Defekte. Die im Spenderareal verbleibende Hautschicht heilt normalerweise innerhalb von 2 – 3 Wochen ab. Es sind nahezu unbegrenzte Mengen von der gesamten Körperoberfläche transplantierbar. Verwendung bei bsp. größeren Wunden, Vebrennungen, Sofortdeckung nach Melanomentfernung
  • Technik: Das Transplantat wird mit einem Dermatom (s. Abbildung oben) entnommen, anschließend folgt die Blutstillung des Spenderareals mit zusammenziehenden Substanzen. Das Hauttransplantat wird aufgespannt und / oder mit Gewebekleber oder Wickelverbänden fixiert.

Maschentransplantat (Meshgraft)

  • ein Spalthauttransplantat, welches maschinell mit Stichinzisionen eingeschnitten wird, sodass es sich bei Zug an den Seiten in ein Netz umwandelt. Dadurch kann das Dreifache der ursprünglichen Fläche abgedeckt werden.
  • Indikation: besonders bei großflächige Verbrennungen mit begrenzten möglichen Hautentnahmestellen oder Wunden mit unregelmäßigen, sezernierendem Wundgrund
  • Technik: Die entnommene Haut wird auf eine Folie gelegt und anschließend durch eine Messerwalze gedreht und mit einem rautenförmigen Schnittmuster versehen. Die Einschnitte gehen durch die gesamte Dicke des Transplantats. Das Transplantat kann danach durch vorsichtigen Zug auf das Dreifache seiner ursprünglichen Dimension expandiert werden. Die Einschnitte bieten gleichzeitig den Vorteil, dass Wundsekret durch die Öffnungen abfließen kann. Die Fixierung des Meshgrafts auf der Wundfläche erfolgt durch Naht, Fibrinkleber oder Vakuumversiegelung. Der Verbandwechsel darf bei einem Meshgraft nicht zu früh erfolgen, da die Gefahr besteht, dass sich das Transplantat wieder ablöst.

Weitere Techniken

Eine weitere Unterteilung ist nach Eigentransplantat (autolog) oder Fremdtransplantat (allogen) möglich. Ebenso kann eine Unterteilung in biologische Hauttransplantate oder artifizielle Hauttransplantate (künstliches Transplantat) getroffen werden.

Und nach der Transplantation?

Die frisch transplantierte Haut ist sehr empfindlich und muss besonders geschont werden. Da eine körpereigene Haut im meisten Fall verwendet wird, kommen Abstoßungsreaktionen nicht vor. Dennoch kann es auch sein, dass das Hauttransplantat nicht anwächst. Das Hauptproblem ist eine nicht ausgeschlossene unzureichende Blutversorgung des Transplantats, dadurch kann es zum Absterben führen. Kurz nach der Operation ist es wichtig, dass das betroffene Areal nicht belastet wird und das Hauttransplantat mit dem Verband auf den Wundgrund zu drücken. Möglichst bald nach dem sicheren Anwachsen der Haut wird mit Bewegungstraining begonnen, um eventuelle Bewegungseinschränkung durch Narbenbildung zu verhindern. Weitere vorkommende Komplikationen könnten eine Infektion sein, sowie Blutungen und Hämatome.

Quellen:

http://www.wikipedia.de
http://www.flexikon.doccheck.com
http://www.edizin.de

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