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5. November 2016 Thema:

Exulzerierender Tumor

Wundwissenlexikon: Exulzerierender Tumor

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“

(Cicely Saunders)

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Eine exulzerierende Tumorwunde ist laut der British Columbia Cancer Agency als „Maligne Läsion der Haut, verursacht durch einen primären Hauttumor, durch eine Hautmetastase eines anderen primären Tumors oder durch den Durchbruch eines Tumors aus unten liegenden Gewebeschichten“ definiert. (Leitlinien der DGP Sektion Pflege: Exulzerierende Tumorwunden, 2014, S.3)

Exulzerierende Tumore treten vor allem bei Menschen im präfinalen oder finalen Krankheitsstadium einer Tumorerkrankung auf. Rund 60 Prozent dieser Tumore treten im Brustbereich auf. Jede vierte dieser chronischen Wunden ist am Kopf oder am Hals zu finden (ca 25%). Die Prävalenz der malignen Läsionen liegt bei fünf bis zehn Prozent aller Tumorpatienten. Insbesondere Tumore, die von Drüsengewebe ausgehen, neigen zu Exulzeration.

Entstehung / Ursachen

Die massive Gewebszerstörung ist die Folge einer Kombination aus ungehemmten Zellwachstum und dem Zusammenbruch der tumoreigenen Blutversorgung.

Zu den Tumorarten, die am häufigsten exulcerieren, zählen das Mammakarzinom, Plattenepithelkarzinome, Weichteiltumore / Sarkome, Hauttumore, T-Zell-Lymphome, Lymphmetastasen, Urotheltumore (Nierenbecken-, Harnleiter- und Blasentumore), Anal- / Rektalkarzinome, Speicheldrüsentumore.

Häufig auftrendende Probleme bei Tumorwunden

  • Teilweise sehr starke Exsudation
  • Tumorblutungen (brüchiges Tumorgewebe und durch das ausgeprägte Gefäßwachstum im Tumor selbst, welches stark durchblutet ist – Spontan- / Kontaktblutung)
  • Wundinfektion (schlechte Immunsituation – Wundinfektion kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen)
  • Geruch (fauliger, jauchiger Geruch durch Tumorzerfall)
  • Schmerz (nicht nur die Tumorwunde, sondern auch die Umgebungshaut sind hoch schmerzsensibel)
  • Ernährungsdefizit
  • Sehr große psychische Belastung (Krankheit wird „offen-sichtlich“, Körperbildstörung)

Ziele der palliativen Wundversorgung

„Palliativmedizin/ Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dies geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“ – Definition nach WHO 2002

Der Schwerpunkt liegt hierbei nicht auf der Abheilung der Wunde. Wichtiger sind eine Symptomlinderung, insbesondere die Vermeidung von Schmerzen, unter Wahrung der Würde und Selbstbestimmung, sowie eine möglichst geringe Belastung der Lebensqualität durch die notwendigen Behandlungsmaßnahmen.

Ferner liegt ein großes Augenmerk auf der psychosozialen Betreuung der Patienten und ihrer Bezugsperson. Zudem gilt es, Wundwachstum bzw. -zerfall und Komplikationen hinauszuzögern. Dazu zählt auch die Minderung von wund- und therapiebedingten Einschränkungen.

Auswahl des Materials

Das Material sollte für den Betroffenen

  • akzeptabel und bequem sein
  • möglichst keine negativen Auswirkungen auf den Alltag haben. Nicht selten kommen Tumorwunden im sichtbaren Bereich von Kopf, Gesicht und Hals / Dekolletee vor und dadurch nicht verstecken lässt
  • einfach handhabbar
  • Atraumatisch – nicht mit dem Wundgrund verkleben, ansonsten zusätzliche Schmerzen und Gefahr der Blutung!
  • Geruchsbindend

Beachtung bei Tumorwunden

  • stark aufsaugende Verbände – Superabsorber – verwenden, zum Exsudatmanagement
  • Infektionsprophylaxe, antiseptische Wundspüllösung und lieber frühzeitig zu silberhaltigen Verbandsstoffe oder bakterienbindende Fasern einsetzen
  • Wundrandschutz
  • Ein Débridement sollte nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden und sehr vorsichtig ausgeführt werden. Festhaftende Nekrosen sollten lieber belassen werden.
  • Spülung von Tumorwunden keinesfalls mit hohem Druck ⇒ Verletzung des Gewebes und somit zu einer Tumorblutung
  • Jede Verletzung des Tumorgewebes führt neben einer Blutung zur Vergrößerung der Wundoberfläche und bietet somit Keimen eine größere Eintrittspforte! ⇒ Jegliche Manipulation sollte vermieden werden!
  • Keine folienbeschichtete Wundauflagen verwenden. Dadurch wird das feucht-warmes Wundmilieu unterstützt und somit auch optimal das Zellwachstum.

 

Dennoch ist es wichtig eine klare Diagnosestellung bei exulzerierenden Tumorwunden durchzuführen und ob alle kurativen Ansätze ausgeschöpft sind!

 

 

Quellen:

- https://www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/2015_Kindermann_exulc._Wunden_Hospiz.pdf
- http://www.aerzteblatt.de/archiv/76452
- "Palliative Wundversorgung" von Susanne Danzer
- "Moderne Wundversorgung", 7. Auflage von Kerstin Protz
- "100 neue Fragen zu Wundbehandlung" von Susanne Danzer und Anke Bültemann

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