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19. November 2015 Thema:

Ernährung

Wundwissen Lexikon: Ernährung und Auswirkung auf die Wundheilung

Eine gute und ausgewogene Ernährung ist während der Wundheilung unerlässlich. Denn die Ernährung ist die Grundlage für die Ernergiegewinnung, den Aufbau von Körpergewebe und die Regulation von Stoffelwechselprozessen. Zudem ist diese Voraussetzung für Wachstum, Synthese, Ersatz von körpereigenen Stoffen und die Aufrechterhaltung der Zellfunktionen. Die Nahrung sollte aus Makronährstoffen (Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen) und Mikronährstoffen (Mineralstoffe, Vitaminen und Spurenelementen) zusammengesetzt sein. Ebenfalls benötigt der menschliche Körper Wasser. Ein Ungleichgewicht der aufgeführten Punkte, auch Malnutrition genannt, beeinflusst die Wundheilung negativ. Selbst die beste Wundversorgung führt bei einer Mangelernährung zur Stagnation der Wunde. Infolgedessen darf der Ernährungszustand bzw. die Ernährungsgewohnheiten einer Person mit einer chronischen Wunde nicht außen vor gelassen werden!

 

Malnutrition

Malnutrition, auch genannt Mangelernährung, ist eine Form der Fehlernährung. Darunter ist die zu geringe Zufuhr von Nahrungsbestandteilen gemeint, die der menschliche Körper benötigt. Eventuell kann auch eine Unfähigkeit des Körpers, die benötigten Nahrungsbestandteile aufzunehmen oder zu verarbeiten, vorliegen. Eine Malnutrition kann nicht nur bei kachektischen Menschen, sondern auch bei adipösen Menschen und Normalgewichtigen vorliegen!

Besonderheiten der Ernährung während der Wundheilung

Während der Wundheilung findet ein aufwendiger Wiederherstellungsprozess statt, der Körper verbraucht viel Energie und Zellbaumaterial. Dies wiederum entnimmt der Körper aus der zugeführten Nahrung. So kann der Ernährungszustand bei ungenügender Nährstoffzufuhr die Heilung einer chronischen Wunde negativ beeinflussen oder aber auch die Entstehung einer Wunde begünstigen. Die DNQP – Expertenarbeitsgruppe vom Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ empfiehlt daher bei allen Patienten mit chronischen Wunden im Rahmen der pflegerischen Anamnese den Ernährungszustand zu erheben.

Erhöhter Energiebedarf

Der Richtwert eines gesunden Erwachsenen wird ein täglicher Grundumsatz von 24kcal pro kg am Tag berechnet. Der Grundumsatz richtet sich jedoch unter anderem nach Geschlecht, Körpergröße, Klima und Alter. Bei körperlichen Aktivitäten steigt die Stoffwechselleistung an und der Grundumsatz muss entsprechend angepasst werden. Auch bei bestimmten Krankheitsbildern verändert sich der Energiebedarf, beispielsweise:image-2015-11-19

  • Tumorpatienten, Menschen mit chronischen Wunden: 35 – 40kcal pro kg am Tag
  • Polytraumen, hochgradige Verbrennungen: 35 – 40kcal pro kg am Tag

Dies sind lediglich Pauschalwerte. Eine genauere Berechnung bietet die Erfassung nach der Harris-Benedict-Formel.

Beispiel für Männer:

GU (kcal/24h) = 66,5 + (13,8 x Gewicht in kg) + (5 x Größe in cm) – (6,8 x Alter in Jahren)

Beispiel für Frauen:

GU (kcal / 24h) = 665 + (9,6 x Gewicht in kg) + (1,8 x Größe in cm) – (4,7 x Alter in Jahren)

Ergänzend zum Grundumsatz sollten die sogenannten bedarfssteigernde Faktoren Aktivität und Stress in die Berechnung hineinfließen.

Erhöhter Eiweißbedarf

Proteine werden für die Abheilung (Vernarbung) der Wunde benötigt. Je nach stärke der Exsudation können pro Tag bis zu 50g Eiweiß über die Wunde verloren gehen!

Bei gesunden Menschen wird pro Tag eine Eiweißaufnahme von 0,8g pro kg empfohlen. Im Gegenzug bei Menschen mit chronischen Wunden oder einer ausgeprägten Mangelernährung liegt der Proteinbedarf bei 1,0 – 1,5g pro kg.

Ernährungstherapie bei Wunden

Wichtige Zufuhr bei der Wundheilung von:

  • Nährstoffen, die am Aufbau von neuen Zellen und Kollagengewebe sind (Proteine, Vitamin Aalle B-VitamineVitamin C, Arginin, Zink, Eisen)
  • Nährstoffen, die entzündlichen Reaktionen entgegenwirken und freie Radikale ausschalten können, z.B. Antioxidantien. Aber auch Mikronährstoffe
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Nährstoffe herbei- und Abfall- / Schlackenstoffe abzutransportieren.

Nicht selten gestaltet sich die ausgewogene Ernährung bei älteren Menschen mit (aber auch ohne) chronischen Wunden schwierig. Dennoch gibt es verschiedene Möglichkeiten die benötigten Nährstoffe aufzunehmen:

  • Vitaminpräparate
  • Nahrungsergänzungspulver
  • Trinknahrung in verschiedener Zusammensetzung (bsp. hochkalorisch, eiweißreich, für Diabetiker geeignet) in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Neben der Trinknahrung gibt es auch entsprechende Puddings und Suppen.

 

 

 

Literatur:
Morderne Wundversorgung, Kerstin Protz, 6. Auflage

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