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3. Dezember 2015 Thema:

Diabetisches Fußsyndrom

Wundwissen Lexikon: Diabetisches Fußsyndrom

Der Anfang vom Ende?

Das diabetische Fußsyndrom, kurz DFS, stellt eine der am meisten gefürchteten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus dar. Dabei kommt es zu sehr schlecht heilenden Wunden am Unterschenkel, an der Fußsohle (Malum perforans) oder einer diabetischen Gangrän mit abgestorbenem Gewebe (Nekrose).
Da die Fußläsionen in verschiedenen Ausprägungen vorhanden sein können, werden sie in verschiedene Stadien eingeteilt, nach Wagner / Armstrong (siehe S3 Leitlinien der DGFW vom Juni 2012).

Ursachen und Unterscheidung des DFS

Hohe Blutzuckerwerte schädigen die peripheren Nerven (diabetische Polyneuropathie) und die Gefäßinnenwände der Kapillaren und/oder der Arterien (diabetische Angiopathie). Dies führt zu:

  • Missempfindungen (Kribbeln) und Taubheitsgefühl in den Füßen
  • Unterversorgung des Gewebes
  • Vermehrter Hornhautbildung (Hyperkeratose)
  • Verformung des knöchernen Fußgewölbes wegen Atrophierung der stützenden Muskeln und Sehnen bis hin zum Einbruch des Fußgewölbes (Charcot-Fuß)

Ein Großteil des DFS wird von einer Polyneuropathie oder einer arteriellen Verschlusskrankheit verursacht, in manchen Fällen liegt beides vor.

Risikofaktoren

Schlechte Blutzuckereinstellung, Fußdeformitäten mit Hornhautschwielen, Leibesinselschwund (Nichtmehr-Empfinden des Fußes, der fehlende Sichtkontakt), ungeeignetes Schuhwerk, Rauchen, Barfußlaufen, Vermindertes Schmerzempfinden

Auslösende Faktoren

  • mechanische Einwirkung z.B. Anstoßen des Fußes, zu enges Schuhwerk
  • thermische Einwirkung z.B. durch Wärmflasche, Wärmestau bei Fettsalben
  • chemische Einwirkung z.B. salicylhaltige Mittel zur Entfernung der Hornhaut

Die Haut des Diabetischen Fußes

Die durch den hohen Blutzuckerspiegel von Diabetikern ausgelösten Nervenschädigungen führen über verschiedene Mechanismen zu einer massiven Austrocknung der Füße/Beine dieser Patienten. Neben schuppiger und trockener Haut und fehlender Schweißproduktion kommt es bei diesem Krankheitsbild zu massiven Hyperkeratosen. Hier ist die regelmäßige Abtragung (durch einen Podologen!) unverzichtbar.

Patientenedukation/Adhärenz bei der Prophylaxe chronischer Wunden beim DFS

  • Aufklärung des Patienten/ Angehörige zur Entstehungsursache
  • Nicht barfuß laufen
  • Regelmäßige podologische Behandlung
  • Geeignetes, angepasstes Schuhwerk (Orthopädieschuhmacher)
  • Konsequente Druckentlastung auch schon bei Bagatellwunden
  • Täglich sorgfältige Fußinspektion und Schuhkontrolle auf Fremdkörper
  • Keine extreme Wärme- oder Kälteanwendungen
  • Geeignete Hautpflegeprodukte (z.B. harnstoffhaltig) verwenden
  • Patientenschulung
Diabetisches Fußsyndrom nach Zehenamputation

Diabetisches Fußsyndrom nach Zehenamputation

Das diabetische Fußsyndrom führt jährlich in Deutschland zu etwa 40.000 Amputationen (Stand 2009). Experten gehen davon aus, dass ein Großteil dieser Eingriffe vermeidbar wäre.

Quellennachweis
 http://www.diabetes-deutschland.de
 Sellmer, W., Bültemann, A., Tigges, W., (2010), Wundfibel, 2. Auflage, medizin. wissentschaftl. Verlagsgesellschaft
 http://www.pflegewiki.de
 http://www.wikipedia.de

 

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