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12. November 2015 Thema:

Dekubitus

Wundwissen Lexikon: Dekubitus

Ein Dekubitus ist eine lokale Schädigung der Haut und der darunter liegenden Gewebeschichten. Volkstümlich wird der Dekubitus auch „Wundliegen“ oder „Druckgeschwür“ genannt.  Eine solche Wunde entsteht auf Grund eines andauernden, nicht physiologischen Druck auf eine Körperstelle, der sowohl den venösen als auch den arteriellen Blutfluss unterbricht. Beispielsweise wenn ein immobiler Mensch mehrere Stunden in einer Position liegt oder sitzt ohne sich zu bewegen bzw. bewegt zu werden. Ein Dekubitus ist daher häufig ein Pflegefehler – muss jedoch nicht sein.

Entstehung

Entscheidende Faktoren für die Entstehung eines Dekubitus sind Zeit und Druck. An der betroffenen Hautstelle entsteht eine Ischämie (Minderdurchblutung), desweiteren werden Giftstoffe nicht mehr abtransportiert. Dadurch entsteht eine Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff. Ein mobiler Mensch, bei einsetzenden Druckschmerz, reagiert mit einer Lagerveränderung. Während einer Narkose oder bei Neuropathie wird kein Druckschmerz entwickelt bzw. Immobile Personen können keinen Lagerungswechsel durchführen. Folglich daraus führt die Ansammlung von Giftstoffen zu einer Azidose (Übersäuerung) des Gewebes und zu einer Gefäßerweiterung. Dies ist erkennbar an einer andauernden Hautrötung der betroffenen Körperstelle. Die anhaltende Ischämie in Verbindung mit der Sauerstoffminderversorgung führt  zum Absterben des Gewebes und ein Dekubitus entsteht. Wie schnell ein Druckgeschwür entsteht ist individuell unterschiedlich und zeitlich nicht eingrenzbar. Daher muss dies nicht zwingend ein Pflegefehler sein, wenn trotz regelmäßiger Lagerungs- / Positionsveränderung ein Druckulkus entsteht.

Risikofaktoren zur Entstehung eines Dekubitus

Extrinsische Risikofaktoren

  • Druck und Zeit ist die Hauptursache, jedoch kann sowohl länger anhaltender leichter Druck genauso eine Schädigung bewirken wie ein kurzzeitiger starker Druck auf eine Körperstelle. Der Faktor Druck wird nochmalig unterteilt in Druck von Außen  (Falten von Kleidung / Unterlagen, Schienen, Katheter, Sonden, Brillen, Hörgeräte, Krümel im Bett) und Druck von Innen (Knochen, die ohne Fett- und Muskelpolster direkt unterhalb der Haut liegen)
  • Scher- und Reibungskräfte entstehen bsp. beim Hochrutschen im Bett. Dabei kommt es zur Verschiebung der Gewebeschichten. Die obere Haut folgt der Bewegung, die darunterliegende Schicht nicht.
  • Mikroklima, Hauttemperatur und Feuchtkeitsbedingungen an der Schnittstelle zwischen Haut und Liegefläche. Eine erhöhte Temperatur kann ein Druckgeschwür bilden. Eine übermäßige Feuchtigkeit erhöht die Reibung und die Scherkräfte und führt zu Mazeration, was die Haut noch anfälliger macht für die Auswirkungen von Scherspannung. Andererseits führt eine übermäßige Hauttrockenheit empfindlicher gegen Scherspannung.

Intrinsische Risikofaktoren

  • Eingeschränkte Mobilität: Bsp.: Rückenmarksverletzungen, Schlaganfall, fortschreitende neurologische Erkrankungen, Schmerzen, Frakturen, Postoperative Behandlung, Koma / Sedierung
  • Mangelernährung: Anorexie , Dehydrierung, schlechter Verwertung, diätbedingte Einschränkungen, schlechter Geruchs- und Geschmackssinn
  • Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus, Depressionen / Psychosen, Demenz, verminderte Schmerzwahrnehmung / Sensibilitätsstörungen, Immunschwäche oder Corticosteroidtherapie, bösartige Erkrankungen, terminale Nierenerkrankung
  • Alternde Haut: Verlust der Elastizität und subkutanen Fetts, Verminderte Durchblutung der Haut und dermal-epidermale Durchblutung, Veränderungen im pH-Wert der Haut, Abflachung der Reteleisten

Gefährdete Körperstellen

Dekubitusgefährdete Körperstellen

Dekubitusgefährdete Körperstellen

Am meisten bildet sich ein Dekubitus an den Knochenvorsprüngen. Häufig entstehen Druckgeschwüre an den Hauptauflageflächen des ruhen Körpers in Rücken- und Seitenlage. Dies entspricht dem Sakralbereich, beide Fersen und die Hüftknochen – auch Prädeliktionsstellen genannt. Weitere mögliche Körperstellen sind:

  • Hinterkopf, Stirn, Ohrmuschel
  • Wirbelsäule, Schulter, Ellenbogen
  • Kniescheiben, Fußknöchel, Zehen

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamts treten 40% aller Dekubitalgeschwüre im Bereich des Gesäßes und 18% an den Fersen auf. Die übrigen Lokalisationen liegen jeweils unter 6 %

Einteilung eines Dekubitus

Klassifizierung von Druckgeschwüren nach NPUAP, EPUAP und PPPIA 2014:

  • Kategorie I: Nicht wegdrückbare Rötung. Es liegt eine umschriebene Rötung bei intakter Haut vor. Der Bereich kann schmerzempfindlich, verhärtet, weich, wärmer / kälter sein als das umgebende Gewebe. Bei einer Hautrötung über einem Knochenvorsprung ist ein Fingertest durchzuführen: Mit dem Finger wird ein leichter Druck ausgeübt. Liegt eine Weißfärbung der Haut vor, entspricht dies keinem Dekubitus. Wird das Hautareal nicht weiß, ist ein Dekubitus Kategorie I vorhanden. Bei dunkel pigmentierter Haut ist ein Abblassen möglicherweise nicht sichtbar, die Farbe kann sich aber von der umgebenden Haut unterscheiden.
  • Kategorie II: Teilverlust der Haut. Das Druckgeschwür tritt als flache, oberflächige Wunde mit einem rot bis rosafarbenen Wundbett ohne Beläge in Erscheinung. Andererseits kann es sich auch als intakte oder offene / rupturierte, serumgefüllte Blase darstellen und manifestiert sich als glänzend oder trocken ohne nekrotisches Gewebe / Bluterguss. Blutergüsse hingegen weisen auf eine tiefe Gewebsschädigung hin!
  • Kategorie III: Verlust der Haut. Zerstörung aller Hautschichten, subkutanes Fett kann sichtbar sein, jedoch keine Knochen, Muskeln oder Sehnen, auch nicht ertastbar. Es kann ein Belag vorliegen, ohne jedoch die Tiefe der Gewebsschädigung zu verschleiern. Ebenfalls können Taschenbildungen oder Unterminierungen vorhanden sein.
  • Kategorie IV: Vollständiger Haut- oder Gewebsverlust. Totaler Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Beläge oder Schorf können an einigen Teilen des Wundbettes vorhanden sein. Hierbei liegen sehr oft Tunnel oder Unterminierungen vor. Kategorie IV Wunden können sich in Muskeln oder unterstützende Strukturen ausbreiten (Faszien, Sehnen oder Gelenkkapseln) und können dabei leicht Osteomyelitis oder Ostitis verursachen.
  • Keiner Kategorie / keinem Stadium zuordenbar: Tiefe unbekannt. Ein vollständiger Gewebeverlust, bei dem die Basis des Dekubitus von Belägen (gelb, hellbraun, grau, grün oder braun und / oder Schorf im Wundbett bedeckt ist.
  • Vermutete Verletzung der tieferen Gewebeschicht: Tiefe unbekannt. Livid oder rötlichbrauner, lokaliserter Bereich von verfärbter, intakter Haut oder blutgefüllte Blase auf Grund einer Schädigung des darunterliegenden Weichgewebes durch Druck und / oder Scherkräfte. Diesem Bereich vorausgehen kann Gewebe, das schmerzhaft, fest, breiig, matschig, im Vergleich zu dem umliegenden Gewebe wärmer oder kälter ist.
Dekubitus Kategorie IV

Dekubitus Kategorie IV

Therapie

Die Hauptursache für ein Druckgeschwür ist wie bereits erwähnt, Druck und Zeit. Infolgedessen ist eine bestmögliche Druckentlastung in der Behandlung unerlässlich. Hierfür gibt es einige Hilfsmittel (spezielle Matratzen und Sitzkissen), welche auch von der Krankenkasse übernommen werden. Dennoch sind regelmäßige (Richtwert: 2-stündig) Lagerungs- und Positionswechsel im Liegen / Sitzen mittels Kissen von Notwendigkeit. Im häuslichen Bereich wird oftmals die Lagerung auf einem Fell gewünscht, eine Druckentlastung bietet sie jedoch nicht. Desweiteren ist auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, denn Patienten mit Wunden haben einen erhöhten Energie-, Protein-, Mineralstoff- und Vitaminbedarf.

 

 

Quelle Einteilung eines Dekubitus:
- http://www.epuap.org
- Moderne Wundversorgung, 7. Auflage von K. Protz
- Dekubitus - Prophylaxe und Therapie von S. Danzer / U. Kamphausen

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