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12. Oktober 2015 Thema:

Biofilm

Grundwissen: Was ist ein Biofilm?

Ein Biofilm ist ein häufig nachweisbarer Belag auf chronischen Wunden, welcher sich aus Bakterien und Pilzen zusammensetzen kann – kurzum eine dynamische, mikrobielle Lebensgemeinschaft, welche sich kontinuierlich verändert. Sie können aus einer einzigen Bakterien- oder Pilzarte bestehen oder, was häufiger vorkommt, polymikrobiell sein, d. h. sie beinhalten mehrere unterschiedliche Arten von Mikroorganismen. Auf einfachster Ebene lassen sich Biofilme beschreiben als Bakterien, die in eine dicke schleimige Schutzschicht aus Zuckern und Proteinen eingebettet sind und bilden eine Schutzgemeinschaft vor äußeren Einflüssen. Die Schleimmatrix schützt die siedelnden Bakterien vor Antibiotika, antimikrobiellen Substanzen und Phagozytose. Der Biofilm behindert den Wundheilungsprozess und muss daher entfernt werden. Untersuchungen haben ergeben, dass ca. 60% aller chronischen Wunden mit diesem belastet sind.

Kann man einen Biofilm in der Wunde erkennen und wie kann ich diesen von einem Wundbelag unterscheiden?

Biofilme sind anfangs mikroskopische Strukturen und erst wenn dieser über längerem Zeitraum wachsen kann, ist der Biofilm erkennbar. Dann erst zeigt sich die mikrobielle Lebensgemeinschaft als eher gelartige, glänzende Konsistenz. Ein Wundbelag wiederum zeigt sich als viskose (klebrige, schleimige), gelbe und relativ trübe Schicht in der Wunde. Dennoch kann es eine Verbindung zwischen Wundbelag und Biofilm geben. Jedoch kann ein Wundbelag ein Hinweis für das Vorkommen eines Biofilmes sein. Daher ist es schwer beurteilbar, ob eine Wunde mit einem Biofilm versehen ist. Ein sicherer Nachweis gibt nur eine mikroskopische Untersuchung. Grundsätzlich weist jedoch eine stagnierende Wundheilung solchen hin.

Wie ist ein Biofilm therapierbar?

Es ist schwierig, einen Biofilm vollständig zu entfernen  – selbst bei einem regelmäßigen konsequenten Debridement (konsequente chirurgische Débridement sowie die Ultraschall-assistierte).Denn ein Biofilm bildet sich rasch nach einer mechanischen Zerstörung innerhalb 24 Stunden wieder neu. Zudem ist ein dieser tolerant gegenüber Antibiotika – lokaler Einsatz von Antibiotika ist nicht empfohlen. Immerhin zeigt sich ein gutes Ergebnis zur Reduzierung, durch eine regelmäßige Wundreinigung mit einer Wundspüllösung, welches z.B. Polyhexamethylenbiguanid (PHMB) enthält. Zugleich muss jedoch die Einwirkzeit der Wundspüllösung eingehalten werden (s. Herstellerinformationen)! Silber kann ebenfalls den Biofilm durchbrechen, daher sind silberhaltige Wundauflagen (die jeweiligen Herstellerinformationen beachten) für die Durchbrechung eines Biofilms geeignet.

Bislang gibt es allerdings noch keine allgemeingültige Empfehlung, welcher antimikrobielle Wirkstoff als First-Line-Therapie bevorzugt werden sollt

Woher weiß man, dass der Biofilm beseitigt ist?

Wie bereits beschrieben, ist ein Biofilm nur mittels mikroskopischer Untersuchung nachweisbar. Somit ist es nicht explizit festzulegen, wann eine Wunde frei von einem Biofilm ist. Ein Indikator ist dennoch ein Rückgang der Exsudation, des Wundbelages und ein fortschreitender Wundheilungsprozess.

Quellen:

Moderne Wundversorgung, 7. Auflage, von Kerstin Protz
http://www.woundsinternational.com/media/issues/334/files/content_9607.pdf

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Autor dieses Beitrags: Lisa Spreitzer

Lisa Spreitzer - Autorin auf Wundwissen.info. Altenpflegerin, Praxisanleiterin, Wundexpertin nach ICW und Pain Nurse. Tätig im Wundaußendienst bei der Firma Ellipsa medical services GmbH.

Website des Autors: https://www.wundwissen.info

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